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Mitten in Gröbenzell:Hoffnungsvolle Ankündigung

Kolumne

Nichts als Absagen. Das rasche Ersterben des öffentlichen Lebens dokumentierte sich an nichts deprimierender, als am Eliminieren sämtlicher Veranstaltungen, die mehr als einen Menschen zusammenbringen wollten: von Volksfesten über Versammlungen bis hin zu Kleinsttreffen. Nichts blieb mehr übrig. Der Veranstaltungskalender war leergefegt. Und erholt sich nur virtuell oder fernmündlich. Aber jede Mitteilung ist bedingt durch die Corona-Krise.

Eine beispielhafte Auswahl: Die Pädagogen im Germeringer Jugendzentrum können nicht persönlich bei "ungelösten Problemen" da sein und richten ein tägliches "Kummertelefon" ein (14 bis 18 Uhr). Die Stadtkirche Germering bietet einen virtuellen Bibelkurs an, Anmeldung per E-Mail. Das Brucker Forum hält ein "Webinar" ab, am nächsten Montag verhilft eine Referentin "Mit der Familie stark durch die Krise", vorausgesetzt man verfügt über "Internetzugang, Mikrofon sowie Ton". Und selbst ein analoger Appell speist sich aus der Covid-19-Gefahr. Das evangelische Pfarramt in Grafrath ruft alle Gläubigen dazu auf, "jeden Abend für ein paar Stunden ein Hoffnungslicht ins Fenster zu stellen".

Nichts kann derzeit geschehen, ohne in Bezug zu dem Virus und dem Schutz vor ihm zu stehen. Wo noch politische Sitzungen stattfinden, wie jüngst Ausschüsse der Kreispolitik, gelten besondere Abstandsregeln zwischen den Teilnehmern und Desinfektionsvorschriften. Corona-freie Ankündigungen sind äußerst rar und auffällig. Die "Straßenkehrungen" für Mammendorf und Althegnenberg kommen tatsächlich ohne jeden Hinweis auf die Lungenkrankheit aus. "Die Gemeinde bittet darum, die Straße von parkenden Kraftfahrzeugen frei zu halten", heißt es schlicht und undramatisch wie zu allen Zeiten. Und auch die Stadt Fürstenfeldbruck erwähnt keine Corona-Schutzmaßnahmen für eine Veranstaltung, an der sie an diesem Samstag mit mehr als 350 Orten in Deutschland teilnimmt. Das Ansteckungsrisiko ist auch gleich null. Schließlich ruft die "Earth Hour 2020" nur dazu auf, für eine Stunde das Licht auszumachen. Die Stadt wird Sehenswürdigkeiten die Scheinwerfer abdrehen, von 20.30 bis 21.30 Uhr, und animiert die Bürger, es ihr gleichzutun und das heimische Licht auszuknipsen.

Zu überraschen vermag aber Donum Vitae mit der Bitte einer Veröffentlichung. Die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Fürstenfeldbruck annonciert einen Informationsabend über Mutterschutz und Elterngeld und lädt dazu nach Gröbenzell ein, um Anmeldung über die Volkshochschule wird gebeten. Zwei, drei Mal liest man die Pressemitteilung und sucht das Wort "Absage" oder Hinweise wie "virtuell" und "telefonisch". Nichts dergleichen. Also sind werdende Eltern dazu eingeladen, sich am 21. April leibhaftig einzufinden. Eine derart selbstverständliche Ankündigung aus früheren Zeit erscheint nun zwar noch nicht als Hoffnungslicht, aber doch als Hoffnungsschimmer.

© SZ vom 28.03.2020
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