Süddeutsche Zeitung

Mitten in Fürstenfeldbruck:Alle, nur bitte keine Trottel!

Lesezeit: 1 min

Innovative Stellenanzeige der Gaststätte "Klubhouse" listet auch K.-o.-Kriterien für den Job auf.

Kolumne von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Fachkräfte fehlen an allen Ecken und Enden. Wer jemanden braucht, der kommt mit 08/15-Inseraten nicht weit. Deshalb ist jüngst auch der Chef eines Edeka-Markts mit seinem Gesuch im Lokalblatt "Lippe Aktuell" neue Wege gegangen. "Wir suchen einen Mitarbeiter für unseren Getränkemarkt in Vollzeit." Klingt noch nach Standard. Aber dann ein paar ausgewählte Anforderungen: "Du bist nicht komplett verpeilt? Du kannst eine Kiste Bier von einer Kiste Wasser unterscheiden? Du musst nicht alle drei Minuten eine Whatsapp schreiben oder Insta checken? Dann komm in unser Team!"

Ähnliche Misere im Klubhouse, das von Gastronom und Die-Partei-Stadtrat Florian Weber betrieben wird. Sein Problem: Die Corona-Durststrecke haben einige Burgerbrater und Bedienungen bildungsmäßig genutzt und dem Irish-Pub-Team als Gymnasial- und Berufsschullehrer sowie Steuerberaterin und Finanzbeamter den Rücken gekehrt. Ende August sucht Weber Ersatz noch auf die klassische Tour: "Gesucht: Küchenkraft (m/w/d), vier Tage die Woche á 5,5 Stunden, bei Interesse bitte melden..."

Weil sich offenbar nicht viele geeignete Bewerber meldeten und Weber einsah, dass man "mit seriösen Ausschreibungen wohl heutzutage nicht mehr weiterkommt", nun also der neue Anlauf - unter dem strengen Blick von Star-Wars-Schurke Darth-Vader und dem Spruch "Your empire needs you!" Eher beiläufig geht's ganz im Ernst ums zufriedene Team, reichlich Urlaub, die Bezahlung weit über Mindestlohn und den Wunsch, die Brucker noch stärker wegzubekommen von Leberkässemmel oder Döner und hin zu den handgemachten Burgern. Ergo: "Melde dich, wenn du cool bist." Auch ohne Gastronomie-Vorkenntnisse. Dann aber nennt Weber doch noch ein paar Ausschlusskriterien, die über "Du bist nicht komplett verpeilt" hinausgehen: "Melde dich nicht, wenn LGBTQI für dich ein Fremdwort ist, wenn du denkst, Layla sollte in jeder Bar gespielt werden, wenn es dich nervt, dass die neue Arielle schwarz ist... oder wenn du ein Trottel bist." Klare Ansage.

Zu Zeiten von Star Wars war Fachkräftemangel noch ein galaktisches Fremdwort. Hätte man Darth Vader, der erwiesenermaßen nicht völlig verpeilt war, freie Hand gelassen, hätte er sich die vielen Worte gespart - zum roten Laserschwert gegriffen und die Leute, egal ob Lehrer oder Steuerberaterin, egal ob cool oder nicht, einfach hinterm Klubhouse-Burgergrill abgeliefert.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5660469
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/ano
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.