Mitten in Germering:Der Vorturner als Wortschöpfer

Sport

Die 10 f des Germeringer Max-Born-Gymnasiums übt sich im "Lederhosentraining“.

(Foto: Manon Hardenberg/oh)

Die Lederhose steht für Bayern, auch wenn es um ein Fitnesstraining geht

Glosse von Christian Hufnagel

Weil die Vorstellung nicht so recht in Gang kommen will, zuerst der Deutungsversuch über die Bestandteile dieses ungewöhnlichen Kompositums. Ein derartiges Sprachmittel besteht bekanntlich aus zwei Wörtern, die zusammen ein neues ergeben, natürlich mit neuem Sinn. Das Ohr und der Wurm verschmelzen so etwa zum Ohrwurm. Im vorliegenden Fall handelt es sich bei der einen Hälfte um das Training, welches jedem im Leben in irgendeiner Weise begegnet und dessen Zielrichtung also vertraut sein dürfte: Irgendetwas wird regelmäßig geübt, um auf diesem weiten Feld eine Verbesserung, eine Entwicklung zu erzielen. Die zweite Hälfte des verschmolzenen Doppelwortsubstantives schafft klare Bildlichkeit: die Lederhose. Eine Beinbekleidung, die dem Namen nach aus Leder gearbeitet ist. Und die in kurzer Gestalt die Alltagskleidung für Buben war, bis die Jeans sie davon befreite. Heute findet das strapazierfähige Stück fast nur mehr Ausgang bei Trachtenumzügen und wenn sie als Traditionsuniformierung der Oktoberfestbesucher herhalten muss. Eine gewisse Wiederbelebung erfährt sie nun auch durch und in der neuen Wortschöpfung des "Lederhosentrainings".

Über die Existenz eines solchen hatte das Germeringer Max-Born-Gymnasium in einer Pressemitteilung aufmerksam gemacht. Mehr noch: Die Klasse 10 f hatte ein solches gewonnen als Sieger einer hauseigenen Sport-Challenge. Als Belohnung nun also ein einstündiges "Lederhosentraining", dem Leistungsvermögen der Schüler angepasst, wie es fürsorglich in der Ankündigung hieß. Dabei konnte es sich also um eine neue Sportart handeln, in der die Schüler gleich Fußball, Judo oder Kugelstoßen nun eine Lederhose trainieren? Schwer vorstellbar. Eher schon war das Bild denkbar, dass die Gymnasiasten irgendeiner sportlichen Betätigung nachgehen und dabei alle eine Lederhose als Kriterium tragen mussten. Am Ende führte auch diese Vorstellungen in die Irre. Nur Erfinder und Vorturner Klaus Reithmeier trägt nämlich das gute Traditionsstück. "Der Trainer trägt Lederhose und es kommt aus Bayern, deshalb heißt es Lederhosentraining", lautet seine einfache Erklärung. Aha. Und so bringt er seit Jahren Massen in Bewegung. In Germering war es Ganzkörpergymnastik für rund 25 Gymnasiasten. In diesem erfinderischen Sinne sind dann durchaus andere namensgebende kleidsame Übungsstunden denkbar wie Anzug- oder Bikinitraining.

© SZ vom 24.07.2021
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