Mitten in Fürstenfeldbruck Wehrtechnik von jenseits der Nato

Links die drei Kugelschreiber aus dem Fliegerhorst, rechts die drei Luxusmodelle des Streitkräfte-Kommandos.

(Foto: slg/oh)

Auch bei der Bundeswehr gibt es Kugelschreiber, die zuverlässig ihren Dienst tun. Sie stammen aus der Schweiz

Kolumne von Stefan Salger

Manchmal zahlt es sich aus, neunmalklug daherzureden. Hatten wir uns doch letztens ein bisschen lustig gemacht über Materialfehler bei der Bundeswehrausrüstung. Genauer gesagt über Kugelschreiber der Truppe, die zwar schnittig im Tarnfleck daherkommen, aber manchmal nach ein paar Sätzen den Dienst quittieren.

Aus dem Fliegerhorst schlägt einem ob der Undankbarkeit frostiges Schweigen entgegen. Eine Reaktion kommt indes aus Bonn. Dort sitzt das bundesdeutsche "Kommando Streitkräftebasis". Und auf verschlungenen Pfaden war die spitzbübische Glosse über die desertierenden Kugelschreiber des Fliegerhorsts punktgenau auf dem Schreibtisch des Inspekteurs Martin Schelleis gelandet. Der Generalleutnant räumt nun in einem Brief an die Brucker SZ augenzwinkernd ein, dass das Bauen von Kugelschreibern in der Tat "nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen der Bundeswehr" zählt. Im gleichen Atemzug singt er aber das Hohelied auf "die Kugelschreiber der Streitkräftebasis". Da schau her, denkt man, Zweiklassengesellschaft bei der Truppe.

Wir folgen gleichwohl dem Befehl ("Probieren Sie es aus!"), greifen zu den beigelegten drei "Belegexemplaren" und starten einen Testlauf. Was soll man sagen - tolles Material, ehrlich! Schwarze Schrift, seidenweicher Rollkomfort. Alle drei tragen den Titel "Streitkräfte-Basis" und kommen statt im Tarnfleck ganz offensiv in Signalfarbe daher. Sie unterscheiden sich dennoch in etwa so wie Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen. Das hell orangefarbene Basismodell schreibt ausdauernd. Der etwas dunkler orangefarbene Stift tut es ihm nach, wurde aber zudem mit einem Metallbügel aufgerüstet. Und das massive Luxusmodell im Full Metal Jacket, bei dem eine griffige orangefarbene Bordüre abrutschende Soldaten- und Reporterfinger sanft bremst, preist zusätzlich in geschwungenen Lettern "Vielfalt. Vertrauen. Verantwortung." Das Trio wird uns fortan zu zahllosen Terminen begleiten.

Als Blaupause für die Waffensysteme der Bundeswehr, bei denen es noch nicht gar so rund läuft, können die drei gut gefederten Überflieger aber nicht dienen. Es handelt sich nämlich, wie auch der Generalleutnant unumwunden gesteht, um Importe aus einem Nicht-Nato-Land: Es sei "Schweizer Präzisionstechnik".