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Mitten in Fürstenfeldbruck:Von Politbarden und Duz-Freunden

Bei der SZ-Podiumsdiskussion stellen sich die Landratskandidaten höchst launig gegenseitig vor

Kolumne von Heike A. Batzer

Wie stellt man ausgerechnet den eigenen Gegenkandidaten vor? Als die bessere Wahl soll er ja nicht unbedingt rüberkommen. Aber seiner Persönlichkeit will man sich schon ein wenig annähern. Sechs Landratskandidaten bringen die erste Anforderung bei der SZ-Podiumsdiskussion mit Bravour hinter sich und dem Abend gleich nach dem Start einen ersten Höhepunkt. Mit Anspielungen und Witz garnieren die beiden Juristen Thomas Karmasin (CSU) und Christoph Maier (SPD) das Porträt des jeweils anderen, beider Fähigkeit zur pointierten Formulierung sticht.

Maier sei als eine Art Politbarde unterwegs, ist Karmasin aufgefallen - "was sehr sympathisch ist", wie er sagt. Es gebe noch vier Termine, wirft Maier umgehend ein. Termine mit seiner Band "Die Landräte", in der er als singender Wahlkämpfer auftritt, sind gemeint. Maier wolle, dass es den Menschen im Landkreis Fürstenfeldbruck gut gehe, zitiert Karmasin seinen Mitbewerber. Das wolle er auch, bekennt der Amtsinhaber. Die Zuhörer schmunzeln. "Wie stellt man seinen Amtsvorgänger vor?", fragt sodann Christoph Maier und erntet seinerseits Lacher aus dem Publikum. Der Landrat im Cäsaren-Faschingskostüm sei eine "lustige Reaktion" auf seine Einlassung gewesen, wonach monarchische Amtszeiten der Vergangenheit angehörten. Maier hofft auf den Wahltag am 15. März und schließt mit den Worten: "Ave Cäsar, die Iden des März sind nahe". Das Niveau ist damit gesetzt.

"Danach wird es schwierig", erkennt umgehend der grüne Mitbewerber Jan Halbauer, der anschließend an der Reihe ist, doch die Kurzweil nimmt nicht wirklich ab. Halbauers Charakterisierung von Sandra Meissner (Freie Wähler) gerät grundsympathisch. Man sei schon beim "Du", obwohl man sich noch nicht lange kenne, "und was mich als Grüner sehr freut: Sie ist eine Frau." Sandra Meissner nennt Halbauer das "altersmäßige Küken" unter den Kandidaten, Kinder habe sie bei ihm noch keine gefunden, sagt die vierfache Mutter über ihre Recherchen.

Herzlich geht es weiter, als Ernestine Martin-Köppl (Linke) Ulrich Bode (FDP) als "viel zu schüchtern" beschreibt, obwohl er ein so großes Wissen über die Digitalisierung habe. Sie hat gleich eine Empfehlung parat: "Herr Bode, Sie müssen mehr aus sich rausgehen!". Das tut dieser schon fast, als er Martin-Köppl "die quirligste Person" nennt, die ihm je im Landkreis untergekommen sei. "Wenn sie gewählt wird - für was auch immer - dann wird es nicht langweilig."

© SZ vom 07.03.2020
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