Mitten in Fürstenfeldbruck:Verzichtbares Doping-Flair

Wenn bei Tadej Pogacar auf der Tour de France alles mit rechten Dingen zugegangen ist, dann kann auch Aschenputtel von sich behaupten, eine Person der Zeitgeschichte zu sein

Kolumne von Stefan Salger

Auf ein "Tour-de-France-Flair" hofft der Fürstenfeldbrucker Sportreferent Martin Kellerer, wenn in gut einem Jahr die Profis in die Pedale treten und sich auf einer Runde durch den Landkreis beim Einzelzeitfahren messen. Wir erinnern uns: Im Mai 2010, bei der 31. Bayernrundfahrt, sicherte sich der belgische Radprofi Maxime Monfort den Gesamtsieg - nachdem der Pole Sapa noch die Etappe nach Fürstenfeldbruck gewonnen hatte. Monfort wurde auf einer Doping-Risikoliste des Weltradsportverbandes UCI bei der etwas später stattfindenden Tour de France als zumindest nicht unverdächtig eingestuft.

Bereits im August 2006 hatte bei der Deutschland-Rundfahrt der Mann im gelben Trikot, der Russe Wladimir Gussew vom Team Discovery Channel, auf der durch den Landkreis Fürstenfeldbruck führenden dritten Etappe seine Führung in der Gesamtwertung verteidigen können. Fürs gleiche Team war der des Dopings überführte Lance Armstrong gefahren - und Gussew geriet 2014 in den Verdacht, ebenso wie Armstrong Kunde des umstrittenen Sportmediziners Michele Ferrari alias Dottore Epo gewesen zu sein. Und, ach ja, ganz aktuell: Dass bei dem triumphalen Sieg des Slowenen Tadej Pogacar, der jüngt beim berühmtesten Radrennen der Welt in Frankreich alle Konkurrenten ganz, ganz alt aussehen ließ, alles mit rechten Dingen zugegangen ist, daran glauben bestenfalls Menschen, die in Aschenputtel eine Person der Zeitgeschichte sehen.

Deshalb: Zeitfahren in der Sportstadt Fürstenfeldbruck und auch hochklassiger Profisport unbedingt! Aber bitte möglichst ohne zweifelhaften Tour-de-France-Flair! Alternativ könnte man sich ja hilfsweise ein wenig im Glanz der BR-Radltour sonnen, um die Vorfreude zu befeuern. Auch die machte öfters schon Station im Landkreis. Und gedopt wurde da bestenfalls mit einem kühlen Bier.

© SZ vom 26.07.2021
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