Mitten in Fürstenfeldbruck:Verloren im Weltraum

Lesezeit: 1 min

Mitten in Fürstenfeldbruck: Livestream ist längst Routine - das Sahnehäubchen ist am Dienstag im Stadtsaal die Hybridsitzung.

Livestream ist längst Routine - das Sahnehäubchen ist am Dienstag im Stadtsaal die Hybridsitzung.

(Foto: Stefan Salger)

Über die erste hybride Sitzung auf dem Planeten Fürstenfeldbruck

Glosse von Stefan Salger

Houston, wir haben ein Problem. Den Spruch kennt man seit dem 13. April 1970 von der Apollo-13-Mission der Nasa. Die Astronauten schweben im waidwunden Raumschiff irgendwo im All. Der Funk ist ihre Nabelschnur zur Bodenstation. Sie tragen Headsets und berichten, dass ihnen gerade ein Tank mit superkritischem Sauerstoff explodiert ist.

Ähnliche Lage am Dienstag in Fürstenfeldbruck. Die Bodenstation ist im Stadtsaal aufgebaut. Haufenweise Equipment. Fünf Techniker bedienen drei Videokameras und Laptops, die Stadträte wirken an diesem denkwürdigen Tag, sofern sie es durch die strenge 3-G-Zugangskontrolle geschafft haben, eher wie schmückendes Beiwerk mit Mundschutz. Liveübertragungen sind für das Gremium längst Routine wie für die Astronauten der Flug zum Mond. Aber nun gibt es die coronabedingte Premiere der Hybridsitzung. Stadträte können sich von zu Hause zuschalten zur Sitzung. Zwei Frauen und vier Männern kommt die Rolle der Versuchskaninchen zu. Sie blicken von der Leinwand, hoch über dem Kopf des Oberbürgermeisters, gelassen in die Runde, der eine oder andere trinkt oder knabbert nebenbei. Man bewundert den schönen rustikalen Schrank neben Birgitta Klemenz (CSU), das stimmungsvoll illuminierte Bücherregal hinter Theresa Hannig (Grüne), die makellose weiße Wand hinter Marcel Boß (CSU), den saftig grünen Wald auf der Fototapete hinter Lukas Braumiller (BBV), das Foyer des herrschaftlichen Schlosses hinter Michael Piscitelli von der CSU (eingeblendeter Hintergrund). Und natürlich das verschwommene Nichts hinter Dieter Kreis (ÖDP) - gewiss der Blick in die übernächste Galaxie.

Die Crew bleibt in ihrer Umlaufbahn geduldig auf Empfang, stimmt nahezu synchron und einheitlich ab. Völlig losgelöst. Dann aber ist es aus mit der Harmonie. Unter dem Punkt Verschiedenes meldet sich erstmals ein Astronaut aus dem Außenposten im Cyberspace zu Wort. Es macht "krrrrrkrrrr...nkarten...kkrzkkk... prkpuff". Im Saal fuchteln die Stadträte mit den Armen und rufen: "Wir verstehen gar nichts!" Nasa-Chef Erich Raff verzieht säuerlich das Gesicht. Beim Soundcheck habe er doch darauf hingewiesen, dass man ein Headset benutzen möge.

Schwupp, schon sieht man Kreis mit Headset. Houston, es gibt kein Problem mehr. Kreis fragt, wie das denn nun mit den Visitenkarten mit Stadtlogo aussieht. Ein eher irdisches Problem. Um das die Crew von Apollo, die auf ihrem explodierten Tank um die Erde eierte, Fürstenfeldbruck gewiss beneidet hätte.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB