Mitten in Fürstenfeldbruck:Stangls Didaktik

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Bisweilen ist es von Vorteil, wenn in politischen Gremien ein Pädagoge übersetzen kann

Glosse von Heike A. Batzer

Beinahe jeder Berufstätige kennt das: Die Aufgaben werden immer mehr, nur jene Personen nicht, die diese Aufgaben erledigen sollen. Auch Behörden kriegen immer mehr zu tun, siehe Corona-Krise und nicht nur da. Auch sie möchten immer mehr Kolleginnen und Kollegen haben, und bisweilen bekommen sie die auch. Zum Beispiel im Fürstenfeldbrucker Landratsamt.

Im Vorjahr aber hat der zuständige Kreistag einer fast schon routinemäßigen Erweiterung des Personalstabs einen Riegel vorgeschoben und die Ausgaben dafür gedeckelt. Jetzt ging es erneut darum, wie viel der Steuerzahler 2022 für die Beschäftigten und Beamten im Landratsamt aufbringen muss. Wie viele dort überhaupt Dienst tun und vor allem wie viele Stellen zwar genehmigt, aber nicht besetzt wurden, war gar nicht so leicht herauszufinden. Man vertagte sich.

Nun versuchte sich der Personalausschuss des Kreistags in einem zweiten Anlauf erneut an der Aufgabe, scheiterte aber zunächst daran, die Ausführungen von Manfred Jankowetz, dem Personalchef im Amt, zu verstehen. Von numerischem Stellenplan und hinterlegten Geldern war die Rede, und wer kein Verwaltungsstudium absolviert hatte, musste an dieser Stelle auch bei bestem Willen aufgeben. Gut, dass die Grünen, die die Personaldebatte überhaupt erst in dieser Umfänglichkeit angestoßen hatten, Cristian Stangl in ihren Reihen haben. Der ehemalige Lehrer fasste zusammen, was er zum Thema verstanden hatte: Es gebe demnach 699 Planstellen im Landratsamt, "die am Ende auch Geld kosten", und darüberhinaus einen sogenannten numerischen Stellenplan, in dem 93 Stellen enthalten seien, die man in einer Sitzung im nächsten Juli daraufhin überprüfen wolle, ob sie noch gebraucht würden.

Stangls Übersetzungsleistung blieb unwidersprochen und rief unausgesprochen sogar die Bewunderung von Landrat Thomas Karmasin (CSU) hervor, dem es damit erspart blieb, seinerseits den Kreisräten die knifflige Thematik erklären zu müssen. Karmasin stellte fest, dass Stangl das "didaktisch geschickter rübergebracht hat als Herr Jankowetz".

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