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Mitten in Fürstenfeldbruck:Sitzungsleiter gesucht

Warum ein Kreisrat nach 12799 Dienst-Tagen zu einer unverhofften Ehre kommt

Der Landrat hat seinen angestammten Platz umgehend verlassen. Es geht ja jetzt um ihn und die Frage, welche Geschenke er annehmen darf, ohne eine Genehmigung dafür einholen zu müssen. Thomas Karmasin geht aus dem Sitzungssaal, als auffällt, dass auch seine Stellvertreter betroffen sein könnten: Martina Drechsler, Johann Wieser, Ulrich Schmetz. Bloß, wer leitet jetzt die Kreistagssitzung, wenn auch die Stellvertreter nicht in Frage kommen?

Der dienstälteste Kreisrat muss her. Umgehende Recherchen des Verwaltungspersonals im Landratsamt ergeben, dass Sepp Kellerer (CSU) und Gerhard Landgraf (FW), die beiden alten Haudegen, am längsten dabei sind mit jeweils 17 121 Dienst-Tagen, wie die Verwaltung mitteilen lässt. Doch beide sind nicht da. Deshalb sind Klaus Wollenberg (FDP) und Martin Runge (Grüne) an der Reihe. Jeweils 12 799 Dienst-Tage werden ihnen gut geschrieben. Sollen die beiden nun als Duo moderieren, quasi als Teil einer Ampel? Oder soll das Los entscheiden?

Nein, die Verwaltung weiß wieder Rat. Der Ältere der beiden soll den Zuschlag erhalten, und das ist mit 67 Jahren Klaus Wollenberg. Der lässt sich nicht lange bitten und geht von seinem Platz, der ziemlich weit hinten liegt, nach vorne, um die Sitzungsleitung zu übernehmen. Der FDP-Politiker nimmt auf Karmasins Stuhl Platz und freut sich erst mal, "den Kreistag aus dieser Sicht zu sehen".

Er weiß, was auf ihn zukommt, er ist lange genug im Geschäft. Über zwei Anträge muss er abstimmen lassen, jenen von Grünen-Kreisrat Hans Märkl, der die Angelegenheit vertagen möchte, weil die Regelung auch für die Mitarbeiter gelten müsse. Und jenen von Christian Holdt (ÖDP), der die Grenze für die genehmigungsfreie Annahme von Geschenken von fünf auf lediglich 35 Euro hochsetzen lassen möchte. Beides findet keine Mehrheit, am Ende sorgen CSU, Freie Wähler und SPD mit 27 zu 18 Stimmen dafür, dass künftig hundert Euro als Obergrenze gelten sollen. Der Landrat darf wieder rein, und Klaus Wollenberg sagt, dass "es sehr schön war hier vorne".