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Mitten in Fürstenfeldbruck:Post von der Weltstiftung

Warum die Stadträte mit Briefen von der Foundation for Natural Science nichts anfangen müssen

Kolumne von Stefan Salger

Politiker wollen überall mitreden und sich eine Meinung bilden. Da zahlt es sich aus, wenn man Jura, Medizin, und Architektur studiert hat, am besten mit den Nebenfächern Öffentliche Verwaltung und Finanzwissenschaften. In der schnöden Realität ist man auf den Rat von Experten angewiesen. Kommunen geben aus gutem Grund regelmäßig Gutachten in Auftrag. Die sind meist sündteuer. Es geht auch anders, wie ein Fall in Bruck belegt. Vom Rathaus werden da jüngst Briefe der World Foundation for Natural Science weitergereicht. Alle Stadträte erhalten das persönlich an sie adressierte Schreiben. Es liest sich spannender als jede Sitzungsunterlage.

Im Fokus steht der neue 5G-Mobilfunkstandard, und das ist ja echt mal ein hochaktuelles Thema. Da ist Sachkunde gefragt. Denn auch die Kreisstadt will ja den Sprung ins digitale Zeitalter schaffen - zurzeit werden gerade einige Schulen aufgerüstet mit moderner Technik. Wohlan, die besagte Weltstiftung für Naturwissenschaft teilt also - und das völlig kostenlos - sinngemäß mit, dass es erwiesenermaßen einen Zusammenhang gibt zwischen 5G und dem Coronavirus. Huch! Noch schlimmer: Die Kombination aus Viren und Mikrowellenstrahlung ergebe einen tödlichen Cocktail. Auweia! Da hilft nur der sofortige sowie weltweite Ausbaustopp beim Mobilfunk. Und Mikrowellengeräte sollte man nur noch als Hasenstall verwenden dürfen. Vielleicht kann die Stadtspitze in der Sache ja die UN oder die Nato einschalten. Die Leiterin des "Büros für Deutschland" hat im Auftrag des Headquarters in Washington DC noch ein mehrseitiges Factsheet beigelegt. Moment mal: Washington? Sitzt da im Oval Office nicht ein gewisser...?

Eher Fakt denn Fakenews ist, dass die Stadträte das für einen Schmarrn halten. Hermine Kusch ärgert sich, dass die Stadt solch "unsägliche" Post ungeprüft weiterleitet. Verschlossene und an die Stadträte adressierte Briefumschläge dürfe man wegen des Postgeheimnisses nicht einfach öffnen, erwidert OB Erich Raff. Sein Tipp: Einfach wegwerfen! Und so landen die Verschwörungstheorien über den digitalen Standard von morgen im analogen Papierkorb von heute.

© SZ vom 28.11.2020
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