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Mitten in Fürstenfeldbruck:Namenlose soll getauft werden

Ein Abschnitt der B2054 ist niemandem gewidmet. Die Stadt lässt das ziemlich kalt, nicht hingegen den U2-Sänger Bono

Die irische Rockband U2 besingt Bruck. Und niemand merkt es, weil sie in ihrem Hit "Where the Streets have no Name" das Kind nicht beim Namen nennt. Sind halt Künstler. Vor allem wissen sie, dass das Thema Straßennamen in Bruck vermintes Gelände ist und man sich besser diplomatisch ausdrückt. Haben sich doch tiefe Gräben kreuz und quer durch den Stadtrat gezogen, als er sich jahrelang mit Straßen beschäftigen musste, deren Namensgeber eine belastete Vergangenheit haben.

U2 beschäftigt sich mit einem Skandal in der Kreisstadt, der bislang nicht publik wurde. Diesmal geht es nicht um belastete Namen am Straßenrand. Im Gegenteil: es geht um eine Leerstelle am Straßenrand - bislang ohne jegliche zusätzlich angebrachte Erläuterungstafel. Es ist der/die/das Namenlose. Samuel Beckets 1953 erschienener gleichnamiger Roman kann hier nur in die Sackgasse führen - oder auch, frei nach den Talking Heads, in eine Road to Nowhere. Aufschlussreicher ist es, sich "Where the Streets have no Name" von U2 anzuhören. Frontman Bono spielt gewiss auf Bruck an, wenn er voller Poesie singt: "Die Stadt ist wie eine Flut, die unsere Liebe rosten lässt. Wir sind vom Wind ganz durcheinander gewirbelt, und trampeln im Staub herum. Ich werde dir einen Platz zeigen, irgendwo am Ende der Welt, wo die Straßen keine Namen mehr haben."

Nun gut, genauer gesagt ist es nur eine einzige Straße. Aber der Platz am Ende der Welt ist uns vertraut: Es ist ein Abschnitt der Bundesstraße 2054 in Fürstenfeldbruck. Nördlich der Brücke über die Bundesstraße 471 zweigt die Augsburger Straße links ab. Wer geradeaus fährt, ist bis zum Kreisel Hasenheide auf Niemandsland unterwegs - formal wahrscheinlich einfach auf der B 2054. Mit windzerzausten Haaren trampeln wir leicht angerostet im Staub herum und sehen: kein Straßenschild. Ach, B 2054, du Namenlose! Stadtrat Karl Danke hat diesen weißen Fleck, diesen ungetauften Fahrbahnstreifen, letztens aus der Versenkung geholt und gefragt, wie man da eine Namensgebung hinbekommen könnte. Die ernüchternde Antwort: Dafür sei der Kulturausschuss zuständig. Poesie klingt anders.