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Mitten in Fürstenfeldbruck:Mit dem Teufel unter einer Decke

Die Zahl 666 hat eine mystische Bedeutung. Unter der Telefonnummer ist die Kirche dran

Von Stefan Salger

Im Mittelalter wurde nicht viel Federlesen gemacht. Frauen mit roten Haaren landeten schnell als Hexe auf dem Scheiterhaufen. Wie bitte? Platon und Aristoteles haben recht, die Erde ist gar keine Scheibe? Wer mit solchen Botschaften am Stammtisch reüssieren wollte, war ein echter Hasardeur. Dann stand schnell der Inquisitor auf der Matte, der, wie wir aus der Verfilmung des Romans Der Name der Rose wissen, mit einem knarzenden Holzfuhrwerk übers Land fuhr. Der Gotteslästerer wurde einen Kopf kürzer gemacht oder zumindest an den Pranger gestellt.

Mit der Zeit wurden die Leute schlauer, posaunten nicht immer gleich alles raus und bedienten sich geheimer Symbole. Wer meinte, unbedingt einen Pakt mit dem Teufel eingehen zu müssen, der sagte nicht mehr grad raus "Du, ich bin mit dem Herrn Satan auf du", sondern verklausulierte das subversiver. Eingeweihte wussten, was die Zahlenreihe 666 bedeutet. Eh klar: Zahl des Antichristen, Pakt mit dem Teufel.

Heute sind solche Dinge weitgehend in Vergessenheit geraten. Könnte man ja mal wieder etwas recherchieren. Wir greifen also zum Telefon und wählen die evangelische Kirche als Gesprächspartner. Schließlich haben die im Kapitel Mittelalter nicht so viel Dreck am Stecken. Dekan Stefan Reimers ist deren höchster Chef im Landkreis. Wir wählen also: 08141/666 . . . Höllisch! Darüber sollten wir jetzt aber die Pressestelle der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in Kenntnis setzen. Schnell ins Fax mit der Sache. Wir wählen: 089/55 95 -666.

© SZ vom 01.10.2016
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