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Mitten in Fürstenfeldbruck:Jojo-Effekt und Feiertagsflaute

Dürfen die Geschäfte und Mussen nun wieder öffnen oder nicht? Die Beantwortung dieser Frage hat sich längst zu einer Art Wissenschaft entwickelt, manchmal wissen nicht einmal mehr die Inhaber was gerade gilt

Kolumne von Ariane Lindenbach

84,8 - 97,6 - und wie hoch wird der Inzidenzwert am Mittwoch sein? Auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts - und nicht jener des Landratsamtes, das seine eigenen Zahlen veröffentlicht - ist der den Alltag bestimmende Wert mit 84,4 angegeben. Folglich müsste von Freitag an wieder gelockert werden, Geschäfte und Museen wieder öffnen dürfen. Oder? Gilt das auch, wenn die Zahlen sich bis dahin wieder in die andere Richtung entwickeln? Oder bleibt dann alles im, nun ja lockeren Lockdown bis die magische 100 wieder erreicht ist? An drei Tagen in Folge, freilich.

Ja, man kann die Situation zurzeit durchaus verwirrend nennen. Da hilft ein Blick in die einzelnen Unterpunkte der 12. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, kurz 12. BayIfSMV, auch nicht viel. Das bürokratische Wortungetüm impliziert die wachsende Unklarheit allein schon durch seine Länge. Und der buchstäbliche Blick vor die Türe genügt derzeit für noch mehr Verwirrung. Tedi, das Geschäft mit einem Sammelsurium unterschiedlichster Waren, sowie der Billig-Klamotten-Laden Woolworth, beide Nachbarn, im City Point in Fürstenfeldbruck scheinen bei ihrer Öffnungspolitik - oder korrekterweise sollte man von Schließungspolitik sprechen - unterschiedlichen Maßgaben zu folgen. Am Samstag jedenfalls hatte Tedi offen, Woolworth zu; Dienstag hatten erst beide geöffnet, später war Tedi, der unlängst noch auf Baumarkt machte, zu. Für Kunden wie Inhaber ist das etwas verwirrend, um es euphemistisch auszudrücken.

Oder, wie es in diesem Blatt am Mittwoch an anderer Stelle hieß: "Zu, auf, zu, auf". Die Autoren des treffend betitelten Stückes schildern, dass Geschäfte, Museen und Tierpark seit Mittwoch öffnen dürfen, nachdem sie Samstag und Dienstag vorübergehend schließen mussten. Als Ursache des Jojo-Effekts wird der kurze Zeitraum von drei Tagen ausgemacht, der für das Über- oder Unterschreiten des Grenzwertes bereits genügt; feiertagsbedingte Verzögerungen verstärken die Auf-Zu-Problematik zusätzlich. Ach, Corona, kannst du nicht auch einfach mal Urlaub machen?

© SZ vom 08.04.2021
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