Mitten in Fürstenfeldbruck:Grüße an Oma Irmi

Mitten in Fürstenfeldbruck: Hoppla, da sind ja 1:20 Minuten übrig! Florian Weber weiß, wie man Sendezeit ausschöpft. Screenshot: Stadt FFB

Hoppla, da sind ja 1:20 Minuten übrig! Florian Weber weiß, wie man Sendezeit ausschöpft. Screenshot: Stadt FFB

Die erste live übergtragene Sitzung des Fürstenfeldbrucker Stadtrates hat etwas von "Wetten dass...?"

Glosse von Stefan Salger

Für die Politiker eine Premiere: Live-Übertragung aus dem Stadtrat. Am Dienstag sind am Rande des Kleinen Saals von Fürstenfeld zwei Kameras mit Teleobjektiven aufgepflanzt. Ein bisschen "Jetzt red i'"-Flair - direkter Draht zum Bürger, der nicht nur leibhaftig zuschauen kann, wie etwa zehn im Saal, sondern auch vom heimischen Wohnzimmer aus. Vorne thront der OB im festlichen Trachtenjanker, flankiert von seinen Stellvertretern Christian Stangl und Birgitta Klemenz, im Fokus der einen Kamera. Das Pult daneben, an das jeder Redner treten muss, im Fokus der anderen.

Zu sehen ist eine Debatte, die für Fürstenfeldbrucker Verhältnisse ungewohnt gesittet verläuft. Geharnischte Repliken, verbale Scharmützel, freche Zwischenrufe? Fehlanzeige! Das erhitzte Gemüt hat auf dem Weg nach vorn, ins Rampenlicht und ans Mikrofon, Gelegenheit abzukühlen. Nur eine Stadträtin und ein Stadtrat wollen nicht auf die große Bühne und auch nicht in der Aufzeichnung zu sehen sein, die zwei Wochen lang von der städtischen Homepage abrufbar ist. Sie berufen sich auf Datenschutz und dürfen wie gewohnt weiterhin am Platz reden. Wer das ist, das bleibt zunächst im Verborgenen.

Wie üblich seit einigen Monaten im Stadtrat, ist die Redezeit auf fünf Minuten begrenzt, um überbordendes Mitteilungsbedürfnis zu deckeln. Auf der großen Leinwand ist ein Timer eingeblendet. Wenn der bei Null angekommen ist, dann ist Schluss. Es ist ähnlich wie einst bei "Wetten dass?": Wetten dass ... das Mikro abgedreht wird?

Bevor Martin Kellerer etwas später - vom Platz aus und während auf dem heimischen Bildschirm der Schriftzug "Wir sind gleich wieder da!" eingeblendet ist - seine Meinung kund tut zu den ebenfalls geplanten "Hybridsitzungen", tritt Florian Weber nach einer Stunde und 20 Minuten ans Pult. Der ist nicht als Dauerredner aktenkundig, aber ihm sitzt schon qua Zugehörigkeit zu "Die Partei" der Schalk im Nacken. Er unterstützt einen Antrag, der die künftige Zuschaltung auch von Politikern erlauben soll. Ein kurzer Blick über die Schulter zeigt ihm, dass noch gut eine Minute Redezeit übrig ist. Also macht er das, was man halt so macht, wenn man mehr Sendezeit als Redebedarf hat. Weber grüßt den Karl Danke von der BBV, dessen Frau Evi, "meine Oma Irmi", den Markus Droth und dessen Frau Susi... Würde OB Erich Raff ihm nicht ins Wort fallen, wäre er am Ende vielleicht auch noch gegrüßt worden.

Eine Stunde, 59 Minuten, 20 Sekunden: Der Vorhang fällt. Fortsetzung folgt.

© SZ vom 29.07.2021
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