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Mitten in Fürstenfeldbruck:Frühling im Februar

Der Schnee hat sich vom Acker gemacht und lässt den Frühblühern alle Chancen

Kolumne von Heike A. Batzer

Gelbe Winterlinge, weiße Schneeglöckchen und Märzenbecher, lilafarbene Krokusse: Inmitten des noch matschgrünen Grases strecken die ersten Frühlingsboten ihre Blüten heraus. Und sie werden immer mehr. Das ist so ungewöhnlich nicht, lugen sie bekanntlich in manchen Jahren auch durch die Schneedecke hindurch. Diese Mühsal bleibt ihnen heuer erspart, denn der Schnee hat sich schnell vom Acker gemacht. Stattdessen allüberall die herrlichen Farben der Frühblüher und das morgendliche Vogelgezwitscher. Es weckt Vorfreude auf die wärmere Jahreszeit.

Die setzt immer früher ein. Vor drei Jahren haben wir Ende April an dieser Stelle den ehedem so launischen Monat dafür gelobt, dass er so viel Wonne verbreitet mit seinen neuerdings durchweg warmen Tagen. Aber pah, längst vergessen ist der April. Der Februar ist - einen Monat vor dem kalendarischen Frühlingsanfang - mindestens der neue März, wenn nicht gar der neue Mai. 20 Grad wurden am Mittwoch und Donnerstag in Fürstenfeldbruck gemessen, die Indizien des Winters haben sich längst zurückgezogen, stattdessen: Sonne von früh bis spät.

Das macht Lust auf mehr, auch wenn der Wunsch nun politisch ein wenig unkorrekt daherkommt in Zeiten des Klimawandels. Ein Frühling wie dieser Ende Februar ist nicht wirklich normal, wohl aber ein Zeichen dafür, dass das Klima aus den Fugen geraten ist. Trotzdem: nichts wie raus! Tut dem Lockdown-Körper gut und der Seele auch. Das Rausgehen hat ja zuletzt richtig Karriere gemacht, seit der Aufenthalt in Innenräumen bisweilen gefährlich geworden ist. Aus dem schnöden, leicht spießigen Spaziergang ist eine neue Massenfreizeitbeschäftigung geworden, eine Art Fitnessstudio-to-go. Fehlt halt nur noch, dass man auf dem Spaziergang auch mal Pause machen kann - am besten im sonnigen Straßencafé.

© SZ vom 27.02.2021
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