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Mitten in Fürstenfeldbruck:Erinnerung aufpoliert

Schoengeising: STOLPERSTEIN Johanna Oppenheimer

Der Stolperstein für Johanna Oppenheimer in Schöngeising ist einer von dreien im Landkreis.

(Foto: Johannes Simon)

Es gehört sich, der Opfer des NS-Regimes zu gedenken. Der Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi hat das auf eigene Art getan

Kolumne von Florian J. Haamann

Kein anderer Tag ist im Gedächtnis der Bundesrepublik so wichtig wie der 9. November. Geprägt ist er vor allem vom Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome der Nazis 1938. Ein Teil dieser Erinnerungskultur sind die sogenannten Stolpersteine. Sie erinnern mit kurzen biografischen Informationen an einzelne vom NS-Regime verfolgte Menschen. Und zwar dort, wo sie gelebt, gewohnt und gearbeitet haben. Drei dieser Stolpersteine gibt es im Landkreis. In Schöngeising wird der Malerin Johanna Oppenheimer gedacht, die wegen ihrer jüdischen Abstammung 1942 über das Sammellager Milbertshofen nach Theresienstadt deportiert worden ist, wo sie am 23. Dezember verstarb. Der zweite Stolperstein liegt in Grafrath und erinnert an den ukrainischen Zwangsarbeiter Wassyl Zhyhalük. Zwei Jahre lebte er in der Gemeinde, bevor er 1944 verhaftet und ins Konzentrationslager Flossenbürg deportiert wurde, wo er 1945 ermordet worden ist. Und in Gröbenzell erinnert ein Stolperstein an Kurt Schroeter, der mit seiner Familie 1923 dorthin gekommen ist und ein international anerkannter Violinpädagoge wurde. 1936 zog er nach Amsterdam, wo er am 13. August 1943 auf offener Straße festgenommen wurde. In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1944 wurde er in Auschwitz vergast.

Um das Gedenken an diese drei NS-Opfer hoch zu halten, hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi am 9. November die Stolpersteine im Landkreis besucht und poliert. "Zwischen 1933 und 1945 wurden Menschen vertrieben, enteignet, politisch verfolgt oder in den Gefängnissen und Hinrichtungsstätten ermordet. Wir vergessen sie nicht", so Schrodi. Besonders am Herzen liege ihm der Stolperstein von Schroeter. Denn auf seinen Antrag hin, damals als Gemeinderat, wurde 2012 für Schroeter der erste Stolperstein im Landkreis verlegt. Bei seinem Besuch las Schrodi auch einige Sätze aus Schroeters Tagebüchern mit dem Titel: "Tage, die so quälend sind." Er wünsche sich, dass alle Schulen im Landkreis dieses Buch als Erinnerung an die Zeit des Holocaust behandeln.

© SZ vom 12.11.2020

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