Mitten in Fürstenfeldbruck Die Industrie als Namenspatron

Straßennamen ändern zu wollen, scheint in Fürstenfeldbruck zur politischen Dauerbeschäftigung zu werden. Aber es gäbe eine Lösung

Von Stefan Salger

Diese Sache hat Sprengkraft. Man sollte sich hüten, darüber seine Witze zu reißen. Es geht um die Umbenennung von Straßennamen in Fürstenfeldbruck. Seit geschlagenen drei Jahren wogt es hin und her, die Stadt scheint in zwei unversöhnliche Lager gespalten zu sein. Die einen wollen braun angehauchte Namen wie Julius Langbehn, Wernher von Braun oder Reichspräsident Paul von Hindenburg aus dem Ortsbild tilgen. Vor allem die Anwohner aber fürchten das damit verbundene Brimborium, müssen sie doch dann vom Briefkopf bis zum Telefonbucheintrag alles ändern. Eine Kompromisslinie hat sich herauskristallisiert: Man könne doch die Schilder hängen lassen und mit erklärenden Hinweisschildern ergänzen, heißt es.

Womit bislang niemand gerechnet hat: Der Ärger um die Umbenennung breitet sich wie ein Flächenbrand in die entlegensten Winkel der Kreisstadt aus und erfasst auch unbelastet geglaubte Namen in gewerblich geprägten Vierteln. Christian Stangl von den Grünen, Planungsreferent im Stadtrat, hält bereits die Lunte in der Hand, ohne dies zu erkennen. Letztens im Stadtrat geht es um das Bauprojekt der Klotz-Brüder. An der Industriestraße entsteht ein großer Komplex mit Supermarkt und vielen Wohnungen. Tolles Konzept. Und Christian Stangl rutscht angesichts der baulichen Aufwertung und der gefälligen Architektur der denkwürdige Satz heraus, man könne "die Industriestraße bald umbenennen".

Oha, da ist der nächste Ärger programmiert. Und diesmal wissen die Umbenennungsgegner sogar finanzkräftige Wirtschaftskapitäne hinter sich. Unser Kompromissvorschlag: Straßenschild hängen lassen, aber Zusatzschild anbringen. Auf dem könnte man die Schattenseiten der Industrie erläutern.