Seinen Namen sucht man sich in der Regel nicht aus. Wenn man Glück hat, dann haben die eigenen Eltern bei der Wahl nicht nur ihre Geschmacksvorlieben durchgesetzt, sondern auch Gespür bewiesen, damit Vor- und Nachnamen klanglich zueinanderpassen. Im Laufe des Lebens kann man gegebenenfalls nachbessern und ästhetisch-phonetische Nachteile zumindest per Eheschließung korrigieren. Seit 1976 dürfen Ehepaare auch den Nachnamen der Frau als Familiennamen wählen, das erweitert seither die Optionen.
Doch gesellschaftliche Veränderungen lassen sich meist zäh an, nur sechs Prozent der Ehen entscheiden sich dieser Tage für den Namen der Frau, hat die Deutsche Gesellschaft für Sprache herausgefunden. In zwölf Prozent der Fälle behalten beide Partner ihren Namen. So machten es 2007 auch der Brucker Stadtrat Andreas Ströhle und seine Frau und waren damit der deutschen Durchschnittsehe schon ein gehöriges Stück voraus. Nun geht Andreas Ströhle noch einen Schritt weiter, seit einer Woche heißt er Andreas Rothenberger.
Sein Facebookprofil hat die Anpassung umgehend umgesetzt, er selbst muss feststellen, dass sich Routinen so schnell nicht überlisten lassen. Am Telefon meldet er sich mit - "Ströhle" - und muss lachen: "Ich muss mich noch dran gewöhnen." Im Brucker Standesamt ist Andreas Rothenberger nun mit neuem Namen eingetragen, die anderen Formalitäten muss er noch erledigen: Personalausweis, Führerschein und den ganzen Kram. Es sei auch der Wunsch seiner drei Kinder gewesen sei, dass alle Familienmitglieder den gleichen Namen tragen, erzählt er über seine neue Identität.
So ist fast nichts mehr, wie es war, als der heute 40-Jährige 2014 in den Stadtrat gewählt wurde: für die Piratenpartei damals, mittlerweile ist er bei der BBV. Nun müsse sein neuer Name noch für den nächsten Wahlkampf bekannt werden, sagt er. Im März 2020 stehen Kommunalwahlen an. Doch der Wähler lernt schnell: Die CSU-Wahlkreisabgeordnete Katrin Mair heiratete 2017 mitten im Bundestagswahlkampf und war fortan Katrin Staffler. Gewählt wurde sie trotzdem.