Mitten in Fürstenfeldbruck:Das Kreuz mit den Namen

Es gibt Gemeinsamkeiten von Kindern und Bürgerinitiativen

Glosse von Stefan Salger

Jedes Kind braucht bekanntlich einen Namen. Das macht auch deshalb Sinn, weil man normalerweise gleich weiß, ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelt, ohne Iphigenie oder Johann Wolfgang überhaupt gesehen zu haben. Nomen est omen - die alten Lateiner wussten, dass man vom Namen darauf schließen kann, was man bekommt.

Bürgerinitiativen sind im übertragenen Sinn das gemeinsame Kind vieler Mütter und Väter. Auch auf diese Eltern wartet die Herausforderung der Namenssuche. Und natürlich liegt es hier ebenfalls nahe, das Kind möglichst so zu taufen, dass man einschätzen kann, um wen oder was es geht. Buben- oder Mädchennamen helfen hier nicht weiter. Aber bei der BI "S4-Ausbau jetzt" weiß jeder, was Sache ist - und vor allem Ziel der BI. Bahnfahrer dürften sich angesprochen fühlen, notorische Autofahrer eher abwinken.

Bei anderen Bürgerinitiativen ist es nicht so klar: Mögen sie inhaltlich auch gute Argumente haben, so geben ihre Namen doch bisweilen Rätsel auf oder lassen reichlich Interpretationsspielraum. Da gibt es die Bürgerinitiative "Lebenswertes Germering". Sie muss aufpassen, dass nicht alle 41 000 Germeringer Mitglied werden wollen. Auch jene, die das Kreuzlinger Feld gar nicht kennen, die aber eine lebenswerte Stadt befürworten. Oder die Bürgerinitiative "Lebensraum Puchheim". Kann man kaum was dagegen haben. Ähnlich ist es mit der "Bürgerinitiative Ortsentwicklung Olching", die auch noch unter der ökologisch vielversprechenden Abkürzung BIOO firmiert. Der Entwicklung wird sich kein Ort kategorisch verschließen wollen. Im selben Ort wurde die "Bürgerinitiative Umwelt- und Klimaschutz für Olching" gegründet, bekannt unter dem visionären Akronym Ufo.

Es gibt Gegenentwürfe, die wiederum etwas übers Ziel hinausschießen. Wie die Eichenauer "Bürgerinitiative für eine menschenfreundlichere Wohnbebauung ohne Maximalverdichtung". Natürlich ist einem eine menschenfreundliche Wohnung lieber als eine menschenunfreundliche, möglicherweise sogar tierisch dichte. Vor allem aber ist der Name ein ganz schöner Bandwurm.

Schlimmer geht freilich immer, wenn es darum geht, dem eigenen Kind einen Namen zu geben. Das beweist dieser etwas durchgeknallte Tesla-Chef Elon Musk. Der hat keine Bürgerinitiative, dafür aber seinen leiblichen Sohn getauft - auf den Namen X Æ A-12. Um mit Goethes Faust zu sprechen: Namen sind halt doch manchmal nur Schall und Rauch.

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