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Mitten in Fürstenfeldbruck:Das Comeback der Badeinsel

Es ist ein juristischer Trick, aber er könnte klappen, wenn aus der Satzung für das Pucher Meer eine Hausordnung wird

Glosse von Stefan Salger

Wasserratten und Haubentaucher traf es im Juni 2019 wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Weil sie nicht für mögliche Unfälle haftbar gemacht werden wollten, montierten landauf landab Städte und Gemeinden Sprungtürme am Ufer von Badeseen ab und ließen künstliche Inseln stranden - so auch am Pucher Meer, das sich bei näherem Hinsehen ja auch mehr oder weniger als ganz normaler Baggersee entpuppte. Ein Ortsbesuch an einem tristen Novembertag bestätigt: gähnende Leere. Wasser ohne Ende. Ein Haus am See. Ein Steg. Aber keine Badeinsel. Wo man doch gerade jetzt reif wäre für eine - zumal die Amperoase längst die Schotten dicht gemacht hat, um dieses vermaledeite Virus abblitzen zu lassen.

Aber aufgemerkt: Es naht der Auftritt von Neptun, der den Outdoor-Badefreunden mit dem Dreizack alle bürokratischen Hindernisse aus dem Weg räumt. Die Rolle kommt dem Oberbürgermeister zu. Schnell wird klar, dass die vor gut einem Jahr demontierte Badeinsel ein glorreiches Comeback erleben darf. Der Kunstgriff: Statt einer Satzung erlässt die Stadt fürs Pucher Meer eine Hausordnung nebst Sicherheitskonzept und stellt Schilder auf. Ein Rechtsanwalt muss noch an den genauen, wasserfesten Formulierungen feilen, dann kann das Ding auf die Reise gehen. So viel wird klar im Sportausschuss, der am Montag einstimmig seinen Segen gibt. In Kraft treten könnte die neue Hausordnung, wenn alles glatt geht, bereits zum 1. Januar. Dann regelt sie ganz offiziell den Badebetrieb am Pucher Meer.

Ob das bereits nächsten Januar so wichtig ist? Sehr wohl. Die Handballer haben es doch Mitte Januar dieses Jahres vorgemacht. Da stürzten sie sich im Adamskostüm mit Gummiente, Schwimmreifen, Wasserball und aufblasbarem Krokodil in die Fluten (um damit eine Wettschuld einzulösen). Auch die neue Hausordnung nebst Sicherheitskonzept setzt so einem Vergnügen gewiss keine Grenzen. Oberbürgermeister Erich Raff kommt nur kurz ins Sinnieren. Dann stellt er süffisant fest, dass eines am Pucher Meer bereits in gut einem Monat möglich wäre: "Eisbaden".

© SZ vom 18.11.2020
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