Mitten in Fürstenfeldbruck:Augen zu und durch

Über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Bundestagskandidaten im Antwortmodus

Von Ingrid Hügenell

Einer hat immer die Augen zu. Diese Regel kennt jeder, der schon mal ein Gruppenfoto gemacht hat. Ähnlich ist es, wenn man um Beiträge für eine Abi- oder Hochzeitszeitung bittet. Es sind immer welche zu spät dran. Wahrscheinlich handelt es sich um die Auswirkungen eines obskuren Naturgesetzes, das dringend mal erforscht werden sollte. Unmöglich kann der Grund in der Schusseligkeit der Menschen liegen. Schließlich passiert das auch, wenn man mit Profis zu tun hat, etwa mit den elf Direktkandidaten im Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck.

Drei Wochen Zeit bekommen sie, um sieben recht einfache Fragen zu beantworten. Vor Veröffentlichung hat man vier Tage Zeitpuffer eingebaut. Die Antworten sollen für jeden gleich lang sein, die Zeichenzahl gibt man vor. Was passieren wird, ahnt man schon. Es trifft recht genau ein. Das ist schön, denn Menschen, auch die bei der Zeitung, freuen sich einfach immer, wenn ihre Erwartungen erfüllt werden. Acht Kandidaten liefern vorbildlich zum vereinbarten Termin. Sechs Texte passen auf Anhieb. Einer antwortet zu lang, bemerkt den Fehler und korrigiert selbst. Ein weiterer hat ebenfalls zu viel zu sagen, weiß das auch, hofft auf mehr Platz und ändert daher nichts. Ist es verwunderlich, dass die eher konservativen Kandidaten die zuverlässigsten sind?

Drei Antworten fehlen zunächst, aber man hat ja Puffer. Das Geschlecht und ob jemand ein Büro hat, macht dabei wenig Unterschied. Es beginnt eine Phase höchst intensiver Kommunikation. Ein Kandidat ist schwer zu erreichen, reagiert dann aber rasch. Das Büro des Nächsten beteuert, alles geschickt zu haben. Man bittet um erneute Zusendung. Es kommt an: Die Liste der Fragen, aber ohne irgendeine Antworten. Upps, da sei die korrekte Datei wohl im Postausgang hängen geblieben, lautet die Erklärung.

Der letzte Kandidat findet schon die Fragen nicht mehr. Man mailt sie erneut, fragt täglich zunehmend verzweifelt nach. Eine Stunde vor Andruck - der schöne Puffer ist längst dahin - kommen die Antworten. Sie sind viel zu lang. Da weiß jemand offenbar nicht, wie man den Computer die Zeichen eines Textes zählen lässt. Man kürzt in Windeseile zwei Drittel weg. Und fragt sich, wie das mit der Digitalisierung wohl klappen soll.

© SZ vom 11.09.2021
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