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Mitten in Alling:Schwein muss Schwein bleiben

Der Landtagsabgeordnete Hans Friedl will Fleischesser vor Fehlgriffen beim Einkaufen schützen. Deshalb fordert er eine Kennzeichnungspflicht für Fleischersatzprodukte

Kolumne von Peter Bierl

Wo Schnitzel draufsteht, muss Schnitzel drin sein. Wo kämen wir denn hin, wenn der Verbraucher an der Kühltheke im guten Glauben an ein schönes Stück hinlangt und erst daheim vor dem Teller merkt, dass er versehentlich zu einer Grünkern-Bulette gegriffen hat. Das ist eines der ganz großen Probleme der Menschheit, und endlich hat sich jemand seiner angenommen. "Wir müssen eine potenziell fehlerhafte und irreführende Kennzeichnung veganer Fleischersatzprodukte in den Griff kriegen", fordert der Landtagsabgeordnete Hans Friedl aus Alling, verbraucherschutzpolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Wähler. Unter dem Motto "Mehr Transparenz" fordert er eine klare Kennzeichnung.

Wenn man an ein Schnitzel, eine Wurst oder einen Schweinebraten denke, habe man ja traditionell Fleisch im Sinn, argumentiert Friedl. Schaue man sich heute aber die Regale im Einzelhandel an, in denen vegane Produkte zu finden sind, so seien diese Produkte häufig mit genau diesen Bezeichnungen etikettiert, rügt er. Der Verbraucher habe aber ein Recht auf eine Bezeichnung, die nicht in die Irre führe, findet Friedl. Deshalb müsse Bayern im Bund und für Europa eine Regelung anstreben.

Grüne und SPD hätten sich zwar im Ausschuss im Landtag der Stimme enthalten, aber der Vorstoß dürfte kaum zu stoppen sein. Friedl ist Realpolitiker, wie seine Einsätze gegen die Olchinger Südwestumfahrung oder den viergleisigen Ausbau der S 4 zeigen. Es dürfte leichter sein, den Veggie-Kram zu markieren, als Fleisch mit einer roten Ampel zu bannen, für das osteuropäische Arbeiter, Tiere und Umwelt geschunden wurden. Zumal die Verwechslungsgefahr permanent steigt, wie Friedl betont. Der Anteil veganer Produkte nimmt ja ständig zu, was er nicht verkehrt findet, diese hätten eine "berechtigte Stellung" auf dem Markt im Rahmen einer "ausgewogenen Ernährung". Da drängt sich eine einfachere Lösung auf: Jeweils ein Stück Fleisch mit einem Tofuburger zusammen verpacken, schon greift keiner mehr daneben.

© SZ vom 20.06.2020
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