Mittelstetten:Zwist um eine Hecke

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MITTELSTETTEN: Strauchrückschnitt

Viel Grün: Die Hecke ist üppig gewachsen und rückt dem daneben liegenden Feldweg recht nahe.

(Foto: Leonhard Simon)

Weil ein Feldweg zuwächst, will Mittelstetten Sträucher entfernen. In denen brüten aber Singvögel

Von Manfred Amann, Mittelstetten

Weil ein hinter den Gärten der Anwohner der Fasanenstraße in Mittelstetten verlaufender Feldweg immer mehr zuwächst, hat der Gemeinderat beschlossen, die störenden Bäume und Sträucher beseitigen zu lassen. Detlef Haesner verurteilt dies als "unnötig" und als "unverantwortlichen Eingriff" in die Natur. In Zeiten, in denen man täglich lesen könne, wie wichtig Natur-, Umwelt-, und Artenschutz für die Sicherung des menschlichen Daseins seien, sollte es doch selbstverständlich sein, über Jahre gewachsene Natur zu hegen und zu pflegen, sagt Haesner. Der Mittsechziger bedauert sehr, dass dies von den Gemeinderäten nicht so gesehen werde. Bürgermeister Franz Ostermeier hat Verständnis für Haesners Sorge um die Natur, sieht aber keine Alternative zur Beseitigung der störenden Pflanzungen, da das Befahren des Weges mit landwirtschaftlichen Maschinen immer schwieriger werde.

Im Wesentlichen geht es laut Ostermeier um auf Gemeindegrund gepflanzte Obstbäume und um den "Wildwuchs" vor Haesners Garten. Die Hecke befinde sich in einer Breite von etwa anderthalb Meter außerhalb des Gartenzaunes und begrenze die Fahrspur enorm. Teilweise sei die Hecke auch von Stamm und Ästen von Bäumen durchsetzt, die auf Haesners Grundstück gepflanzt worden und nach außen gewachsen seien. Bislang seien die Wegverengungen geduldet worden, erläuterte Ostermeier. Da der Besitzer der Ackerflächen jedoch darauf gepocht habe, den Weg auch für die Zukunft befahrbar zu halten, müsse die Gemeinde aktiv werden. Grundeigentümer Lorenz Karl bestätigte gegenüber der SZ, bei der Gemeinde angeregt zu haben, den Feldweg wieder frei zu machen. Ihm sei aber egal ob dies durch einen radikalen Rückschnitt der Hecke erfolge oder durch deren Beseitigung.

Haesner führt dazu an, dass er gegenüber der Gemeinde versichert habe, "wie bisher auch", die Hecke jedes Jahr so stark zurückzuschneiden, dass die Fahrbahn freigehalten wird. Ostermeier hält dies jedoch nicht für ausreichend, weil die Bäume und Sträucher von Jahr zu Jahr stärker und üppiger würden und das Freischneiden eines lichten Raumes immer schwieriger werde. Außerdem könne er keine Ausnahmeregelung vereinbaren, auf die sich andere einmal berufen könnten. Haesner will die in den letzten gut 30 Jahren überwiegend wild gewachsene Hecke, die mit ihren diversen Nahrungspflanzen für Singvögel und Insekten wie Liguster oder Weißdorn auch einen guten Windschutz für seinen Garten bietet, unbedingt erhalten. "Man bietet Landwirten Geld, damit sie Blühstreifen entlang ihrer Felder anlegen und vernichtet dann Hecken und Anpflanzungen, die vielen Tierarten Schutz und Nahrung bieten - irgendwie widersinnig", denkt der Hausbesitzer.

Für Lorenz Karl ist Haesners Argumentation zwar verständlich. Der Eigentümer des an den Weg angrenzenden Feldes kritisiert aber auch, dass immer häufiger mit dem "Vorwand Naturschutz" versucht werde, Entwicklungen zu rechtfertigen, die von anderen als störend empfunden werden. "Ich hoffe, dass sich Gemeinderat und Anlieger gütlich einigen", wünscht sich Karl. Für ihn sei wichtig, dass der Feldweg auch künftig mit großen und breiten Geräten ohne Hindernisse befahren werden könne.

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