Klimawandel:Im Wald der Zukunft

MITTELSTETTEN: Eröffnung Lehrpfad für Waldumbau

Junge Buchen wachsen unter dem schützenden Dach der Fichtenzweige langsam heran.

(Foto: Leonhard Simon)

Kann man Elsbeeren essen, vertragen sich Buchen und Tannen und was wird aus der Fichte? Diese und andere Fragen werden bei einem Spaziergang auf dem neuen Lehrpfad bei Längenmoos beantwortet

Von Erich C. Setzwein, Mittelstetten

Das Klima ändert sich, auch im Landkreis wird es wärmer, selbst wenn das immer noch zu viele Menschen nicht wirklich zu interessieren scheint. Dass es mittlerweile an Stellen, wo es vorher immer gut gewesen ist, nun an Wasser mangelt, bekommen als allererstes die Bäume zu spüren. Nicht die, die in Gärten immer ordentlich versorgt wurden mit Trinkwasser aus der Leitung und reichlich Dünger, sondern vor allem die Fichtenbestände in den privaten, kommunalen und staatlichen Wäldern. Zwischen Mittelstetten und Längenmoos befindet sich eine Forstfläche, in der einerseits die Folgen von Monokultur und Klimawandel, andererseits die Aussichten auf einen Wald der Zukunft unter anderen klimatischen Bedingungen anschaulich gezeigt werden. Nach dreijähriger Planungs- und kurzer Bauphase ist dort nun ein Lehrpfad des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) eröffnet worden, in dem jedermann, vor allem aber private Waldbesitzer lernen können, wie sie ihren Besitz "fit für die Zukunft machen" können, wie es Revierförsterin Anita Ottmann bei der offiziellen Vorstellung des Pfades ausdrückt.

Genauso wie der Mensch, leidet ein Baum unter Stress, wenn ihm zugesetzt ist. Das ist bei all jenen Fichten der Fall, die vor 70, 80 Jahren einmal gepflanzt wurden in der Absicht, in diesen, damals so fernen Zeiten, geerntet werden zu können. Bei Längenmoos ist sehr gut zu sehen, dass diese Fichten über die Jahrzehnte hin wohlgeraten sind, dass sie auf dem sich wieder stabilisierenden Holzmarkt gutes Geld bringen werden. Um die 100 Euro zahlen die Sägewerke pro Festmeter Fichtenholz, wie Paul Högenauer von der Waldbesitzervereinigung Fürstenfeldbruck sagt. Fichte, das wird den Besuchern des Waldlehrpfads schnell deutlich, ist wie woanders auch, die vorherrschende Baumart, der "Brotbaum" der Waldbesitzer, wie ihn die stellvertretende Martina Drechsler ihn nennt.

MITTELSTETTEN: Eröffnung Lehrpfad für Waldumbau

Die Fichten im Rechtlerwald von Längenmoos bekommen Gesellschaft anderer Baumarten.

(Foto: Leonhard Simon)

Der Wald der sogenannten Rechtler eignet sich nach Ansicht der Forstfachleute aus Fürstenfeldbruck besonders gut, um zu zeigen, was möglich ist, wenn die Fichte nicht allein eine Fläche bestimmt. Stefan Warsönke. Fachbereichsleiter für den Forstbereich im AELF prognostiziert, dass die Fichte weiterhin im Mix mit anderen Baumarten gepflanzt werden solle. Auch wenn die Fichte ein Flachwurzler sei und empfindlich auf Wassermangel reagiere. Aber sie solle nicht mehr in Reinbeständen gepflanzt werden. Also: adieu Monokultur!

Die 24 Mitglieder der Rechtlergemeinschaft bewirtschaften ihren etwa 82 000 Quadratmeter großen Wald gemeinsam und entnehmen ihren Holzanteil. Auch die Gemeinde Mittelstetten, vertreten durch ihren Bürgermeister Franz Ostermeier, ist ein "Rechtler". Schon seit einigen Jahren probieren die Rechtler aus, wie der Waldumbau gelingen kann. Eingezäunte Bereiche etwa ermöglichen ein Aufwachsen von Laub- und Nadelbäumen sowie Sträuchern unter dem schützenden Dach der Fichten. Auch Brombeeren nutzen die Gelegenheit, um sich raumgreifend auszubreiten, was laut Stefan Warsönke aufwendig zu pflegen ist. Warum aber Brombeeren niedermachen? Weil sie alles zudecken und niederdrücken, was unter ihnen hervorkommen möchte. Die Pflegearbeit führt dazu, dass manche Gewächse wie die Vogelbeere eine Chance haben aufzuwachsen.

Mühsam gestaltet sich auch die Neuanpflanzung von Tannen. Die winzigen Setzlinge müssen gut geschützt werden gegen den Verbiss der Rehe, und an vielen Stellen zeigen sich auch gute Wachstumsergebnisse. Alle jene Forstbesitzer, die ihren Besitz ohnehin regelmäßiger kontrollieren und pflegen, will das Brucker Forstamt weniger ansprechen, als die Privatwaldbesitzer. Sie sollen erfahren, welche Vielfalt und welche Möglichkeiten ein "Zukunftswald" hat.

Ein Beispiel aus dem Rechtlerwald, das sich vielerorts in privaten Waldbeständen wiederfinden lässt, ist eine Naturverjüngung, in der die Fichten dicht an dicht stehen. Nach Einschätzung von Försterin Anita Ottmann sind an dieser Stelle 100 000 Exemplare auf 10 000 Quadratmetern zu finden. Weil sich die Fichten gegenseitig im Aufwuchs behindern, müsste ein Waldbesitzer die kräftigsten Exemplare von allen Bäumen befreien, die sie bedrängen. Dies ist auf einer von zwölf Infotafeln dargestellt. Ein guter Mix zeigt sich auch an den Buchen, deren rotgoldene Blätter jetzt im Herbst die Bestände unter den dunklen Fichtenästen deutlich markieren. Die langsam wachsende Buche soll nach Erfahrung der Forstleute die wärmeren Zeiten, die da kommen werden, besser vertragen. Ebenso wie die Elsbeere, ein Baum mit einem besonders wertvollen und in ein paar Jahrzehnten teurem Holz. Auch von dieser Art sind Exemplare vorhanden und dienen als Beispiel. Elsbeeren haben auch Früchte, die essbar sind.

Man muss kein Waldbesitzer sein, um den Lehrpfad abzulaufen. Schulklassen könnten erleben, welche Entwicklungen ein Wald nimmt in den Jahrzehnten oder Jahrhunderten seines Bestehens, und die Tour ist auch für einen Familienspaziergang geeignet. Faltblätter gibt es am Beginn der Tour. Sie geben einen Überblick über die Lage, die Route und die Absicht, die das Forstamt damit verfolgt.

Der Lehrpfad liegt südlich von Längenmoos. Von der Straße Waldweg sind es gut 250 Meter bis zum Waldrand, wo der Pfad beginnt.

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