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Mittelstetten:Die Römer in Mittelstetten

Ausstellung über Spuren aus der Antike

Nach dem Alpenfeldzug im Jahre 15 vor Christus, angeführt von Drusus und Tiberius, den Stiefsöhnen von Kaiser Augustus, begann im Voralpenland das römische Zeitalter, das auch im Landkreis Spuren hinterließ. Zahlreiche Bodenfunde belegen, dass sich Römer in der Region auch häuslich niederließen. Der Verein "Dorfbelebung Mittelstetten e.V.", der seit zwölf Jahren unter anderem viele Facetten der Ortsgeschichte beleuchtet, zeigt nun am Sonntagnachmittag im Gasthaus zur Post Funde, die in den Ortsteilen Tegernbach und Oberdorf die einstige Anwesenheit von Römern beweisen.

In beiden Orten befand sich laut Archäologen eine "villa rustica", was in etwa mit "ländliches Anwesen/Gutshof" übersetzt werden kann. "Wir wollen anknüpfend an die vorjährige Ausstellung "Bodenschätze" des Historischen Vereins für Fürstenfeldbruck und den Landkreis (HVF) herausstellen, dass sich im Raum Mittelstetten auch die Römer schon wohl fühlten", verrät Vereinschefin Magda Schebesta. An der Ausstellung beteiligt sind Ex-Kreisheimatpfleger Toni Drexler und Thomas Kerle, die Relikte aus römischer Zeit aus der Region gesammelt haben. Zudem wird der Leiter der historischen Abteilung im HVF, Fritz Aneder, die bedeutenden Terra-sigillata-Fragemete auflegen und erklären, die das Jahr über im Stadtmuseum in einer Vitrine zu bewundern sind. "Bei uns legen die Stücke offen da, man kann also ganz nah ran gehen, um die Verzierungen der damals begehrten Haushalts-Keramiken zu bestaunen", so die Vorsitzende. Unter den Scherben befindet sich eine Rarität, ein Bodenfragment eines Gefäßes mit dem Abdruck eines "Stempels" mit der Inschrift "O Frontini", wobei das O eine Abkürzung für "Officina" (Werkstatt) ist. Damit ist für Historiker klar, dass das Gefäß in der Werkstatt des Frontinius in Südgallien hergestellt wurde, dessen wertgeschätzten Erzeugnisse etwa von 75 bis 120 nach Christus offensichtlich auch im Kreisgebiet Abnehmer fand.

Zu sehen sein wird auch eine versilberte oder verzinnte "Knochenfiebel" in Rosettenform. Ein weiteres Exponat unter den rund 30 Lese- und Bodenfunden ist laut Magda Schebesta eine Lehmkugel, eine Art Schusser, über dessen Funktion sich selbst die Fachleute nicht einig sind. "Es könnte ein Spielgerät gewesen, aber als Wurfgeschoß gegen Vögel verwendet worden sein". Als Ergänzung zum Ausstellung führt Thomas Kerle um 14.30 Uhr Interessierte zum Fundort Tegernbach. Im Gasthaus zur Post werden Kaffee und Kuchen angeboten.

Die Ausstellung im Gasthof zur Post beginnt am Sonntag um 13 Uhr, das Ende ist nicht festgelegt

© SZ vom 24.01.2020
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