Mittelalter-Band Vom Lagerfeuer auf die große Bühne

Beim Amperslam auf dem Brucker Altstadtfest war "Brachmond" im Juli zu hören. Dort hatte die Band 2015 auch ihren ersten Auftritt.

(Foto: Brachmond)

Die Olchinger Band "Brachmond" hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen in der Mittelalter-Szene gemacht. Nun bringen die sieben Musiker ihr erstes Album heraus

Von Florian J. Haamann, Olching

Begonnen hat alles mit einer Gruppe mittelalterlicher Wegelagerer, die an einem Lagerfeuer zusammensaßen. Erschöpft von den Anstrengungen des Tages packten sie ihre Instrumente aus und begannen, gemeinsam zu musizieren. Und siehe da, sie fanden daran soviel Gefallen, dass sie beschlossen, fortan gemeinsam als Gruppe von Spielleuten durch die Lande zu ziehen.

So berichtet die Legende, wie es 2014 auf einem Mittelaltermarkt zur Gründung von Brachmond kam. Nun hat die Olchinger Band Großes zu verkünden: Kommende Woche veröffentlicht sie ihr erstes Album mit dem Titel "Ascheregen".

"Ich wollte das eigentlich schon seit meiner Jugend machen, aber da kennt man ja keine Leute, die Dudelsack spielen können", sagt Bandleader Sev, der Gitarre, Irish Bouzouki (eine Lautenart) und Tin-Whistle spielt, die irische Schnabelflöte. Nach dem Abend am Lagerfeuer habe man in einer Garage angefangen zu spielen. Als sich noch ein E-Gitarrist und ein Schlagzeuger fanden, mietete die Band den ersten Probenraum. Heute gehören sieben Mitglieder zu Brachmond, die meisten aus dem Landkreis.

In der Mittelalterszene bewegt sich Bandleader Sev seit seiner Kindheit. "Mein Onkel und meine Tante waren oft auf Mittelaltermärkten, und ich bin immer mitgegangen. Mit 13 war ich auf meinem ersten Schandmaul-Konzert - der typische Einstieg also".

Was Brachmond von den meisten anderen Mittelalter-Bands unterscheidet ist, dass sie eine Frontfrau und -sängerin haben, die auch mal härtete Töne anstimmen kann. "Wenn mir jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, dass ich mal in so einer Band singen würde, hätte ich es nicht geglaubt. Eigentlich mag ich eher Popmusik", sagt Sängerin Steffi. Vor Brachmond war sie, anders als die meisten anderen Mitglieder, nie Teil einer Band. Als Kind habe sie im Kirchen- und im Gospelchor gesungen, das aber nicht weiter verfolgt. "Aber als mich Sev zuhause beim Singen erwischt hat, hat er gemeint, dass lässt sich doch ausbauen". Und schon war Steffi Gründungsmitglied.

Auf einen Stil lässt sich die Musik von Brachmond nicht festlegen. Mal sind die Songs rockiger, mal ist es Folk, dann wieder Metal oder Pop. Gemeinsam haben sie allerdings, dass sie eingängige Melodien haben, die im Ohr hängen bleiben, mit kraftvollen Geigen- und Flötenstimmen. "Wir legen uns nicht so auf eine Richtung fest, sondern schreiben die Songs so, wie wir es fühlen", sagt Steffi, aus deren Feder die meisten Titel stammen. Die Lieder des Albums tragen Titel wie "Wind", "In deinem Namen" oder "Horizont". In Zukunft allerdings sollen mehr Lieder über mittelalterliche Geschichten und Legenden entstehen, sagt Steffi.

Den Fans scheint genau diese Mischung zu gefallen. Schon bald nach der Gründung gab es die ersten Konzerte, nach und nach wurden es immer mehr. Auf Mittelaltermärkten genauso wie im Münchner "Backstage", auf kleinen und mittlerweile auch größeren Festivals; aber auch auf dem Brucker Altstadtfest. Die steigende Zahl an Auftritten war einer der Gründe, warum die Band nun das Album aufgenommen hat. "Die Veranstalter fordern das oft, damit sie vorher mal reinhören können, aber auch, damit sie bei Konzerten etwas verkaufen können. Außerdem haben uns immer mehr Fans nicht nur nach T-Shirts sondern auch nach einer CD gefragt", sagt Sev.

Die zehn Tage im Studio seien noch einmal eine ganze neue Erfahrung gewesen. "Endlich habe ich mal gesehen, was die anderen so machen, auf der Bühne nimmt man das ja gar nicht so genau wahr, wenn alle zusammen spielen. Ich habe der Geige zugehört und überlegt, ob sie das wirklich so spielt, weil ich es so alleine noch nicht gehört habe", sagt Steffi. Außerdem sei die Band noch einmal enger zusammengewachsen.

Leben können die Mitglieder von den Auftritten alleine nicht, alle haben deshalb noch einen anderen Job. Die Musik sehen sie vor allem als Hobby. Dennoch haben sie durchaus den Anspruch, noch bekannter zu werden und künftig auch außerhalb Bayerns mehr Auftritte zu bekommen. "Die Szene ist klein, es gibt nicht sehr viele Bands. Außerdem ist unser Vorteil, dass wir überall spielen können, auf Mittelalterveranstaltungen ebenso wie auf normalen Festivals", sagt Steffi. Und Sev hat ein großes Ziel: "Als ich 16 war, war ich das letzte Mal beim Open Air in Wacken. Da habe ich gesagt, wenn ich wieder komme, dann weil ich mit meiner Band dort spiele".

Die CD-Release-Party findet am Freitag, 19. Oktober, von 21 Uhr an im Münchner Nerodom statt. Eintritt fünf Euro. Weitere Informationen unter www.brachmond.de