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Mit Unterstützung der Bürgerstiftung:Neuer Schwung für Senioren

Seniorenfitness Bürgerstiftung

Imaginäres Rudern auf dem Königssee: die Teilnehmer der Seniorenfitness im Theresianum in Fürstenfeldbruck beim Training.

(Foto: Lea Schellenberg)

Die Corona-Pause hat den Bewohnern des Theresianums körperlich nicht gut getan. In einer Turngruppe trainieren sie nun Muskeln und Motorik

Von Lea Schellenberg, Fürstenfeldbruck

Rita Striegler kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Die 93-Jährige ist eine der vier Teilnehmenden der Turngruppe am Freitagvormittag im Theresianum. Die Gymnastiklehrerin sei eine sehr freundliche Frau, die wisse, wie sie die Senioren zum Mitmachen begeistere. Gerade für ältere Leute gestalte sie die Übungen sehr ansprechend. "Sie macht das perfekt", denn alles würde in Bewegung kommen, sagt Striegel. Für drei Monate finanziert die Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck die "Fitness für Senioren". Dienstags, mittwochs und freitags kommen externe Übungsleiter in das Haus und arbeiten mit den Senioren an Koordination, Mobilität und Muskelaufbau.

So begeben sich die Senioren in Gedanken an den Königssee. Mit ausgestreckten Armen versuchen sie die Wolken wegzuschieben, um die Sonne sichtbar zu machen. Die Trainerin gibt genaue Anweisungen und sitzt mit im Stuhlkreis. Dann "fahren" die Teilnehmer mit dem Boot auf den See. Sie machen rudernde Bewegungen mit den Armen. In verschiedenen kreativen Übungen werden alle möglichen Muskeln beansprucht. Die Übungsleiterin versteht es die Senioren körperlich und mental zu fordern. Am Ende wird sich noch ordentlich gedehnt. Der rechte Arm wird lang gezogen und streckt sich über den Kopf. Das Gleiche auf der anderen Seite, und dann eine halbe Minute zum Nachspüren und Ausruhen. "Ich danke euch, dass ihr euch heute mit mir in Bewegung gebracht habt!", sagt die Trainerin und verabschiedet die Gruppe.

Beifall für Pflegerinnen und Pfleger in Corona-Zeiten reiche nicht, und so habe sich die Bürgerstiftung im April überlegt, wie sie helfen könne, sagt die Vorstandsbeauftragte Christel Benzinger. Nach mehreren Seniorenkonzerten in Pflegeeinrichtungen fragte Benzinger die Qualitätsmanagement-Beauftragte Anita Beer aus dem Theresianum, wie noch mehr geholfen werden könne. Am wichtigsten sei es, die Senioren wieder fit zu bekommen, meinte sie. Diesem Anliegen folgen die Turngruppen. Die Bürgerstiftung sei gleich bei der Idee und dem Projekt dabei gewesen, erzählt Beer. Durch die Unterstützung komme man langsam wieder auf das Level, auf dem man zuvor hinsichtlich Gesundheit und Zufriedenheit der Bewohner stand. Ziel der Gymnastikgruppen sei aber auch, die Gemeinschaft zu fördern. Deshalb achte man im Haus auch darauf, dass die Teilnehmer der Gruppen miteinander harmonieren, um den Austausch zwischen den Bewohnern anzuregen, sagt Beer.

So begeistert wie Rita Striegler ist auch Peter Wengnel von der Turngruppe. Er ist schon zum vierten Mal im Kurs dabei. Wenn eine Übung mit dem rechten Arm ausgeführt wird, hat der 87-Jährige gleich das Gefühl der linke Arm wolle das auch machen. Nach dem Training "fühlt man sich freier", sagt er. Und nicht nur das bemerkt er: Durch bestimmte Bewegungsabläufe werde auch das Gedächtnis gefördert. Zum Beispiel wenn mit der rechten Hand geklopft werde und der linke Arm eine andere Übung ausführt. Es brauche zwar Zeit bis sich der Körper auf den Rhythmus eingespielt habe, aber er freue sich jede Woche, in die Gruppe zu kommen und etwas für seinen Körper zu tun. Die Freitage, an denen die Gruppe bei schönem Wetter unter dem Sonnenschirm im Garten übten, gefielen ihm noch besser. Da konnten die Bewohner des Innenhofs das Training auch mit ansehen. "Das war so nett", sagt Anita Beer, eine Bewohnerin habe sogar von ihrem Balkon aus mitgemacht.

© SZ vom 29.07.2020

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