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Mit unterschiedlichen Szenarien:Gröbenzell will Wachstum begrenzen

Unaufhaltsam wächst das neue Rathaus Gröbenzell. Im Rest des Orts will man das Wachstum begrenzen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gemeinderat beauftragt Analyse zur Ortsentwicklung. Die jetzigen Bebauungspläne würden ein Viertel Zuwachs bedeuten

Um ein Viertel, also etwa 5300 Personen, wird Gröbenzell in den nächsten Jahren durch Nachverdichtungen, Generationenwechsel und Anbauten wachsen, wenn die vorhandenen Bebauungspläne nicht überarbeitet werden. Allerdings war sich der Gemeinderat schon 2016 einig, dass genau das passieren müsste. Es wurde damals jedoch keine Zielvorgabe gemacht. Das hat der Gemeinderat jetzt nachgeholt, zumindest hat er einen ersten Schritt in diese Richtung unternommen: Die Gemeinderäte beschlossen jüngst, untersuchen zu lassen, wie sich die Gröbenbachgemeinde entwickeln könnte. Dabei werden vier verschiedene Szenarien zugrunde gelegt.

"Wir haben einen Riesenhandlungsbedarf, festzulegen wie wir wachsen", unterstreicht Markus Groß die Wichtigkeit der Untersuchung. Wie der Bauamtsleiter erläutert, steht die Gemeinde an einem Punkt, an dem das sogenannte Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept Isek von der Analyse- in die Realisierungsphase übergeht. Im Juli 2019 beschloss der Gemeinderat die ersten Maßnahmen. Des weiteren brachte das kommunale Baulandkataster des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum 2017 ein alarmierendes Ergebnis für Gröbenzell, das gut 20 000 Einwohner zählt. Nämlich einen Bevölkerungszuwachs von mehr als einem Viertel für den Fall, dass die bestehenden Bebauungspläne unverändert bleiben und voll ausgeschöpft werden.

Den Ausführungen des Bauamtsleiters zufolge ist die Untersuchung, die ein externes Büro macht, "ein informelles Planungsinstrument", mit dessen Hilfe der Gemeinderat quasi in die Zukunft blicken könne. So sollte neben dem Nullszenario, also dem Fall der unveränderten Bebauungspläne, untersucht werden, wie sich Gröbenzell entwickelt, wenn alle Bebauungspläne aufgehoben werden und überall nach Paragraf 34 Baugesetzbuch (entsprechend der umliegenden Bebauung) gebaut werden darf. Szenarien drei und vier untersuchen den Erhalt des Baurechts mit Aufstellung eines Grünordnungsplans sowie die Mehrung des Baurechtes unter Berücksichtigung der übergeordneten Ziele wie flächensparendes Bauen, Erhalt und Ausbau des Grünbestands und das Schaffen von Wohnraum. Die Untersuchung soll in drei kleinen Bereichen exemplarisch für das gesamte Gemeindegebiet erfolgen.

"Ich finde es überflüssig", urteilt Anton Kammerl. Für den Bürgermeisterkandidaten der CSU "stellt sich die Sinnhaftigkeit nicht ganz dar. Zumal wir schon so viele Untersuchungen haben". Seine Parteifreundin Brigitte Böttger fürchtet mit Blick auf den Rathausbau und andere Projekte vor allen Dingen, die Mitarbeiter im Rathaus zu überlasten. "Ich glaube nicht, dass die Verwaltung noch viel Arbeit damit hat", widerspricht Martin Runge (Grüne). Der Zweite Bürgermeister erläutert, dass die Untersuchung nicht im Haus gemacht werden soll.

Reinhard Paesler nannte den Vorschlag "bedenkenswert". Er erhoffe sich von der Analyse, "dass wir einen Hinweis bekommen, wie wir vielleicht die 5000 Einwohner nicht bekommen". Wie Runge war er allerdings der Ansicht, man könne sich die Variante ohne Bebauungspläne sparen, da die Folgen - noch mehr Bebauung - auf der Hand liegen. Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) widersprach. Es sei ein überzeugendes Argument gegen Paragraf 34, "wenn wir das mal schriftlich vorliegen haben, was das bedeutet".

Am Ende einigte sich das Gremium auf einen Kompromiss. Die Variante "Aufhebung der Bebauungspläne" wird nur in einem Gebiet untersucht, die andern drei Szenarien in allen drei Gebieten. Letztlich fiel der Beschluss, die Untersuchung in Auftrag zu geben, ohne Gegenstimmen. Das Bauamt veranschlagt etwa 40 000 Euro Kosten, es rechnet aber auch mit Fördermitteln des bayerischen Ministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr.

© SZ vom 04.02.2020

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