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Mein Tag:Zwischen Brand und Hochwasser

Barbara Staude.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Barbara Staude berichtet von ihrer Zeit bei der Brucker Stadtbücherei

Von Franziska Schmitt, Fürstenfeldbruck

Seit 30 Jahre ist die Stadtbibliothek in der Aumühle untergebracht. Seit dem Umzug ist nicht nur die markante Erscheinung des Turms prägend für die Stadt, sondern auch sein architektonisch überaus gelungenes Innenleben. "Die Stadtbibliothek ein Mittelpunkt des Lebens von Fürstenfeldbruck", sagt Barbara Staude, 74 . Sie war 32 Jahre lang Leiterin der Bibliothek. Seit 14 Jahren ist sie in Rente. Zum Jubiläum ist sie eingeladen, beim "Erzählcafé" vom Umzug und dem Wandel in dieser Zeit zu berichten. Wegen der Coronapandemie findet es ausschließlich per Livestream statt.

Bis heute liest Staude gerne. Zum Bibliothekswesen sei sie jedoch durch Zufall gekommen, sagt sie. Eigentlich habe sie Germanistik studieren und Lektorin werden wollen. Ausschlaggebend für ihr Studium an der Fachhochschule für Bibliothekswesen in Stuttgart sei ein Fund im Telefonbuch gewesen. Dort sei sie auf die Nummer der Beratungsstelle für öffentliche Bibliotheken gestoßen. Über die Beratungsstelle bekam sie ein Stipendium für das Studium.

Als sie sich auf die Stelle in Fürstenfeldbruck bewarb, habe sie sich danach gesehnt, freier arbeiten zu können. "Ich wollte einfach mehr tun können", sagt Staude. Nach dem Studium hatte sie zunächst vier Jahr in München gearbeitet. Dass sie bis zu Rente in Fürstenfeldbruck bleiben würde, damit hätte sie nicht gerechnet. "Ich habe gedacht, das machst du jetzt einfach erst mal." Besonders als die Aumühle als Standort für die Bibliothek ins Gespräch kam, sei die Arbeit für sie sehr spannend geworden, erzählt sie. Zugleich war es der Beginn einer Achterbahnfahrt. "Mit dem Haus habe ich schon ordentliche Abenteuer erlebt", sagt Staude. Vom Großbrand bis zum Hochwasser sei alles dabei gewesen. Mehr möchte sie beim "Erzählcafé" verraten.

Mit dem Umzug habe sich die Bibliothek zu einem Medienzentrum entwickelt. Angefangen habe das mit der Digitalisierung des Bestandes vor dem Umzug in die Aumühle. Das Sortiment habe sich immer weiter an der wachsenden Medienvielfalt orientiert. Wurde damals noch über die Einführung von CD-Roms geredet, gibt es heute bereits Spielkonsolen zum Ausleihen.

Als öffentliche Bibliothek müsse man auf die Zeit reagieren, sagt Staude. Bücher rücken in den Hintergrund. Stattdessen sei es mehr und mehr Aufgabe von Bibliotheken, ein Treffpunkt zu sein. In Hamburg oder auch Finnland sehe sie diesen Gedanken bereits umgesetzt. "In den finnischen Bibliotheken kann man bereits Nähmaschinen ausleihen," sagt sie. Arbeitsbereiche nähmen dort einen großen Teil ein. Staude beschreibt sich als medienaffin. Sie habe schon an einigen Zoom-Konferenzen teilgenommen, erzählt sie, online Veranstaltungen seien nichts Neues für sie. "Ohne Facetime hätte ich keinen ordentlichen Kontakt zu meinem Sohn nach Berlin." Außerdem wisse sie nicht, ob sie als Seniorin nicht irgendwann ihre Lebensmittel online bestellen müsse.

Das "Erzählcafé" beginnt an diesem Samstag, 21. November, um 15 Uhr. Das Gespräch wird aus der Bibliothek live übertragen. Anmelden für eine Online-Teilnahme ist im Internet auf der Seite www.brucker-forum.de möglich. Die Teilnahmegebühr beträgt fünf Euro. Eine Einführung zur Nutzung von Computer bis Smartphones wird kostenlos am gleichen Tag zwischen zehn und elf Uhr angeboten.

© SZ vom 21.11.2020
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