Mein Tag:Rückzug nach 35 Jahren

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Ehemaliger stv. Landrat Ulrich Schmetz feiert 75. Geburtstag

Ulrich Schmetz.

(Foto: Landratsamt)

Ulrich Schmetz gibt das Amt des Brucker Awo-Vorsitzenden ab

Von Gerhard Eisenkolb

Der frühere Fürstenfeldbrucker Stadtrat Ulrich Schmetz , 75, steht für die enge Verbindung von Sozialdemokratie und Arbeiterwohlfahrt (Awo). Als einzige Partei hat die SPD 1919 mit der Awo einen der großen Wohlfahrtsverbände gegründet. Seither ist es im Landkreis Tradition, dass SPD-Politiker Werte wie Solidarität bei der Awo hochhalten. Das hat sich auch nicht geändert, als die anfangs innerparteiliche Selbsthilfeorganisation nach dem Verbot durch die Nazis und deren Untergang nur als eigenständiger, aber parteinaher Wohlfahrtsverband wiedergegründet werden durfte. Nach wie vor gehört es zum Selbstverständnis von SPD-Kommunalpolitikern, sich bei der Awo sozial zu betätigen.

Einer von ihnen ist Schmetz. Der Fürstenfeldbrucker saß 41 Jahre im Stadtrat, 30 Jahre im Kreistag, gehörte dem Bezirkstag an und war Landratsstellvertreter. Seit 35 Jahren und damit ein Arbeitsleben lang steht er an der Spitze des Awo-Ortsvereins der Kreisstadt. Wobei er fast so lange der Awo angehört wie der SPD, der er 1972 beitrat. An diesem Freitag will er in der Mitgliederversammlung den Vorsitz niederlegen. Spricht Schmetz über den Arbeitsmarathon bei Awo und SPD, wird klar: Es gibt viele Wechselwirkungen zwischen politischer und sozialer Tätigkeit. "Wir müssen auf die Schwächeren schauen", sagt er. Das waren für ihn die zeitweise mehr als tausend Mitglieder des Awo-Ortsvereins, deren Lebensverhältnisse und Bedürfnisse er aus vielen Begegnungen kannte. Eines spielte hier für ihn nie eine Rolle: ob jemand der SPD angehört oder nicht. Da sich mit dem gesellschaftlichen Wandel auch die Aufgaben des Wohlfahrtsverbands änderten, beeinflusste dies wiederum das Verhalten des Stadt- und Kreisrats.

Menschlichkeit und soziale Verantwortung, das Leitbild des Awo-Kreisverbands, wurde für den Regierungsrat im Ruhestand auch zur politischen Leitlinie. Was bedeutet, dass "der Mensch der Maßstab der Entscheidungen" zu sein habe. So galt es für die Awo in den ersten Nachkriegsjahren, als es nicht für alle genug zu essen gab und an vielem fehlte, zu helfen, Menschen mit dem zu versorgen, was sie zum Überleben brauchten - weshalb die Aktiven des im Juli 1947 wiedergegründeten Brucker Wohlfahrtsverbands als erstes mit Motorrädern Carepakete aus München holten. Es ging ums Überleben. Später war es, so Schmetz, wichtig, Menschen aus der Einsamkeit zu holen. Nach den Wirtschaftswunderjahren kamen Informationsveranstaltungen und Busreisen dazu, beides Anliegen, die der junge Vorsitzende als Ideengeber mitorganisierte. Inzwischen ist das Angebot der Awo vielfältiger geworden. Sieben Ortsvereine im Landkreis engagieren sich unter anderem in Sozialfürsorge, Seniorenarbeit, Familien- und Jugendhilfe sowie der Mittagsbetreuung. Sie bieten einen mobilen Pflegedienst, ein ambulantes Palliativteam und eine Fachstelle Wohnen an. Auch wenn sich die Betätigungsfelder ändern, ist laut dem scheidenden Vorsitzenden die Motivation der Ehrenamtlichen die gleiche geblieben wie bei der Neugründung vor 74 Jahren in der Kreisstadt.

13 Fürstenfeldbrucker orientierten sich damals am Rat von Albert Schweitzer: "Schafft euch ein Nebenamt ... . Tut die Augen auf und sucht, wo ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Fürsorge braucht." Nach 14 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit im Ruhestand eröffnet sich Schmetz nun die Perspektive, diese Lebensphase etwas mehr zu genießen, öfter zu verreisen und Zeit für die Pflege des Gartens zu finden.

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