Süddeutsche Zeitung

Mein Tag:Germeringer Klimaschützer

Pascal Luginger berät Oberbürgermeister und Verwaltung

Von Andreas Ostermeier

Klimaschutz liegt Pascal Luginger am Herzen. Der 30-Jährige verzichtet bewusst auf ein Auto, ernährt sich vegan und bezieht seine Lebensmittel von einer regional produzierenden Solidargemeinschaft. Er wolle möglichst wenig "Impact" auf den Planeten haben, sagt Luginger (), also möglichst wenig klimaschädliche Auswirkungen verursachen. In Germering hat der Freisinger nun so etwas wie seinen Traumjob gefunden. Seit Anfang November ist er dort Klimaschutzbeauftragter der Stadt. Als solcher hat er direkten Zugang zum Oberbürgermeister. Er sei von der Stelle "fasziniert" gewesen, erzählt Luginger, denn sie ist unbefristet. Andere Stellen im Bereich von Umwelt- und Klimaschutz sind oftmals projektbezogen. Das bedeutet, das Ende des Projekts ist auch das Ende der Beschäftigung. Dass seine Stelle unbefristet ist, zeigt Luginger, dass die Stadt Germering es ernst meint mit dem Klimaschutz. Er habe auch schon gesehen, was die Stadt bereits unternommen habe, um klimaschädliche Gase einzusparen. Auch das war für den gebürtigen Landshuter ein Grund, sich in Germering zu bewerben.

Studiert hat der Klimabeauftragte zunächst Biotechnologie in Weihenstephan. Für einen Lebensmittelkonzern habe er aber nicht arbeiten wollen, sagt er. Deshalb hat er sich für den Masterabschluss auf die Umweltplanung verlegt. Interessiert hat ihn seinerzeit, welche Rückstände von Medikamenten sich im Wasser befinden und was sie dort anrichten. Weitere Erfahrungen hat Luginger in der Biogasforschung gesammelt sowie als wissenschaftlicher Projektleiter beim Thema Verschwendung von Lebensmitteln.

In Germering ist er nun zuständig für die Kooperation mit dem Umweltbeirat und der Gruppe "Germering for Future". Deren Forderungskatalog an die Stadt arbeitet er gerade durch. Daneben soll er Veranstaltungen planen - in Corona-Zeiten eine schwierige Aufgabe - und als Ansprechpartner für die Einwohnerschaft fungieren. Zudem kümmert sich Luginger um eine nachhaltige Verwaltung, er soll also nachspüren, in welchen Bereichen Energie eingespart und verantwortlicher mit Materialien umgegangen werden kann. Ein großes Aufgabengebiet entsteht für Luginger zudem im kommenden Jahr, wenn Germering beginnt, einen Energienutzungsplan aufzustellen. Zwei Jahre lang wird dann der Energieverbrauch der Stadt gemessen.

Wann er nach Germering zieht, das steht für den neuen Klimaschutzbeauftragten noch nicht fest. Momentan wohnt er in einer Wohngemeinschaft in Freising. Für die Miete, die er dort zahlt, etwas in Germering zu bekommen, das stellt er sich schwierig vor. Doch der Pendlerweg mit zwei S-Bahn-Linien dauert jeden Tag einige Stunden. Luginger beklagt sich nicht darüber, denn er weiß, dass ihm der Verzicht auf ein Auto auch etwas abverlangt. Zudem könne er in dieser Zeit auch dicke Bücher lesen, sagt er, mutmaßt aber, dass ihn die langen Fahrzeiten irgendwann stören könnten. Dann wäre es nicht schlecht, nahe am Arbeitsplatz zu wohnen und mit dem Fahrrad zum Rathaus fahren zu können. Fürs Klima ist das sogar noch besser als die S-Bahn.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5121078
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 20.11.2020
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.