Süddeutsche Zeitung

Mein Tag:Fachfrau für Fledermäuse

Bianca Rausch wird mit dem Grünen Engel ausgezeichnet

Porträt von Peter Bierl, Mittelstetten

Die Fledermaus ist ein hochsensibles Wesen, neben dem Flughund das einzige Säugetier, das fliegen kann, und sehr klein: Je nach Art ist der Körper zwischen drei und zwölf Zentimeter lang. Kein Wunder also, dass der Vater von Bianca Rausch an eine Spinne dachte, die in seinen Schuh gefallen war. Es handelte sich aber um eine verletzte Fledermaus, die nicht mehr fliegen konnte. Seine Tochter wollte sich um das Wesen kümmern. Sie musste sich aber erst informieren und eine Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt einholen, denn die Fledermäuse sind vom Aussterben bedroht und darum geschützt.

Bianca Rausch päppelte das Tier wieder auf und wilderte es aus. Der Erfolg führte dazu, dass sie von den Behörden gefragt wurde, ob sie sich in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Landsberg um verwaiste, verletzte oder geschwächte Fledermäuse kümmern könnte. Sie wurde vom Landesamt für Umweltschutz bestellt und ist im Auftrag der Behörden und dem Landesbund für Vogelschutz im Einsatz. Seit zwölf Jahren widmet sich die gelernte Zahnarzthelferin aus Tegernbach dieser Aufgabe und wird dafür an diesem Freitag vom bayerischen Umweltminister mit dem "Grünen Engel" ausgezeichnet.

"Es ist wahnsinnig schwierig, sich um die Tiere zu kümmern, aber es macht viel Spaß", erzählt Rausch. Das Füttern ist kompliziert und riskant, weil Mund und Nase nahe beieinander liegen, es besteht die Gefahr, dass die Fledermäuse ersticken. Die Jungen brauchen eine spezielle Aufzuchtmilch mit bestimmten Zusätzen an Vitaminen und Säuren. Die Nahrung gibt es in Dosen zu 800 Gramm für je 40 Euro. Fledermäuse brauchen Zuwendung in der Form, dass ihnen der Bauch gestreichelt wird. Und die Jungtiere brauchen Flugunterricht, von alleine würden sie sich nicht in die Lüfte erheben.

Dazu benutzt Bianca Rausch den Gang in ihrer Wohnung. Der ist dunkel und leer, damit sich die Fledermäuse nicht verstecken können. Sie muss die jungen Tiere jeden Abend immer wieder animieren, die Flügel aufzuschlagen, bis sie irgendwann beginnen loszuflattern. Anfangs fliegen sie nur ein kurzes Stück, irgendwann werden es ein paar Runden. Es dauert einige Zeit, bis sie richtig fliegen, erzählt Rausch, erst dann können die Tiere wieder ausgewildert werden.

Allerdings werden manche ihrer Gäste richtig zutraulich. "Ich habe eine besondere Beziehung zu diesen Tieren, manche krabbeln sogar auf meinen Arm, wenn ich komme", berichtet die 48-Jährige, die sich selbst als tierlieb beschreibt und auch mit Hund und Katze zusammenlebt. Einige Fledermäuse wollen die Herberge, in der es regelmäßig und mühelos Futter gibt, eigentlich nicht mehr verlassen. Manche kommen wieder zurück. In einem Fall dauerte es mehrere Tage, bis das Tier verschwunden war. Derzeit hat Rausch ein Dutzend Tiere in Pflege. Sie leben in Kästen im Gang. Ein Tier ist Dauergast. Rausch hatte schon eine Fledermaus, die sechs Jahre bei ihr verbrachte.

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Quelle:
SZ vom 30.07.2021
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