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Mein Tag:Die erste Präsidentin

Monika Jagusch.

(Foto: privat)

Monika Jagusch führt ein Jahr lang die Germeringer Rotarier

Von Ingrid Hügenell

Sie beruft sich auf James Bond, Buddha und Moses. Monika Jagusch ist die neue Präsidentin der Germeringer Rotarier. Am 1. Juli hat die 35-Jährige () das Amt von Florian Wackermann für ein Jahr übernommen. So lange dauern die Präsidentschaften bei den Rotariern stets, erklärt Jagusch.

Die Bildungswissenschaftlerin, die den integrativen Kinderhort an der Kirchenschule leitet, ist die erste Frau in diesem Amt in Germering, und zudem momentan auch das jüngste der 54 Mitglieder. Bond, Buddha und Moses stehen für sie für den Begriff "Agilität braucht Stabilität", eine Idee aus der Unternehmensführung. Dahinter steht die Vorstellung, dass Organisationen dann stabil bleiben, wenn sie sich immer wieder wandeln, so wie die Figur von James Bond von Sean Connery bis Daniel Craig sich gewandelt hat.

Damit Jagusch Präsidentin werden konnte, musste sich der Germeringer Rotary-Club wandeln. Denn bis vor vier Jahren wurden dort nur Männer aufgenommen, berichtet sie. Durch Freunde sei sie nach dem Abitur zu der Organisation gekommen. Von 2014 an gehörte sie der Jugendorganisation "Rotaract" an, die sie aber mit 30 Jahren verlassen musste. Nach langen Diskussionen sei sie schließlich zusammen mit einer Freundin bei den Germeringer Rotariern aufgenommen worden, als erste Frauen überhaupt.

Bond, Buddha und Moses dienen ihr eher als Bilder denn als Vorbilder. Solche habe sie eigentlich nicht, sagt Jagusch: "Wenn man immer nur in Fußstapfen tritt, kann man keine eigenen Spuren hinterlassen." In ihrer Präsidentschaft will sie in den Grundzügen weiterarbeiten wie bisher und die bisherigen Projekte weiterführen. Ihr Ziel sei es, "präsenter, sichtbarer zu werden in Germering als Teil des sozialen Lebens" - kurzum: Sie strebe eine stärkere Verwurzelung des Clubs in ihrer Heimatstadt an.

An Rotary schätzt sie, dass ältere und jüngere Mitglieder Erfahrungen austauschen und von den unterschiedlichen Hintergründen, den beruflichen Kontexten und der jeweiligen Geschichte profitieren, bei den Meetings und über Vorträge. In Germering ist das älteste Mitglied 90, das jüngste ist eben sie selbst. "Das Miteinander ist wichtig, die persönlichen Kontakte, dass wir gemeinsam etwas gestalten." Das sei coronabedingt allerdings gerade schwierig. Den Austausch zu organisieren und die Meetings zu leiten, gehört zu den Aufgaben der Präsidentin.

Das weltweite Netzwerk schätzt Jagusch ebenfalls. Der 1905 gegründete Club ist in 166 Ländern vertreten und versteht sich als Service-Organisation, die Geld sammelt und bereitstellt vor allem für soziale und kulturelle Projekte. Die Germeringer Rotarier haben sich unter Jaguschs Vorgänger Wackermann unter anderem am Stadtfest beteiligt sowie im vorigen September ein viel beachtetes Benefizkonzert mit Solisten der Cape Town Opera in der Stadthalle veranstaltet. "Allein aus dieser Veranstaltung kamen über 17 000 Euro zusammen, die der Club an das Sozialprojekt 'miteinander füreinander in Germering' übergab", berichtet Wackermann. Beim Christkindlmarkt habe der Club durch eine Tombola 10 000 Euro erlöst, die an das Kinderhaus "Atemreich" gingen.

Aktuell engagieren sich die Germeringer Rotarier in einem Wasserprojekt in Ecuador. Für Jagusch ist dieses Vorhaben ein gutes Beispiel dafür, dass durch das weltweite Rotarier-Netzwerk Projekte immer im Kontext der Verhältnisse vor Ort gesehen und in Kooperation mit Partnern vor Ort realisiert würden. "Es wird immer geprüft: Macht das Sinn für die Leute", erklärt sie. Zudem seien die Maßnahmen auf diese Weise nachhaltig.

Die Germeringer Rotarier wurden im Jahr 1986 gegründet. Mitglied kann man werden, indem man vorgeschlagen wird oder sich selbst meldet und dann zugelassen wird.

© SZ vom 29.07.2020

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