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Mein Tag:Bewahrer der Erinnerungen

Roland Bartmann, Emmering

Roland Bartmann war ehrenamtlich als Archivar tätig.

(Foto: Privat)

Archivar Roland Bartmann gibt Aufgabe in Emmering ab

Interview von Manfred Amann

Mit Geduld, Ausdauer, Konzentration und mit dem Blick für das Wesentliche war Roland Bartmann rund 38 Jahre lang in Emmering ehrenamtlich als Archivar tätig. Zudem hat er als Ortschronist und Hobbyhistoriker die Geschichte der Gemeinde durchforstet, analysiert, und aufgearbeitet und sie den Einwohnern zugänglich gemacht. Zum Ende der Wahlperiode hat Bartmann nun seine Aktivitäten aus Altersgründen eingestellt. "Der Bürgermeisterwechsel ist sicher ein guter Zeitpunkt aufzuhören", sagte er, zumal er zurückliegend mehrmals mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt habe. Eine weitere Leidenschaft des mittlerweile 86-Jährigen ist das Fotografieren, so dass nahezu jedes Ereignis sowie fast alle weltlichen, kirchlichen oder gemeindlichen Veranstaltungen der zurückliegenden fast vier Jahrzehnte von ihm in Bildern dokumentiert wurden.

"Egal ob Geburtstage, Jubiläen, Einweihungen oder Festivitäten, Bartmann war stets mit dem Fotoapparat dabei und scheute auch nicht davor zurück, auf Dächer zu steigen oder auf eine Kran zu kraxeln, nur um das schönste Bild zu bekommen", erinnert sich Altbürgermeister Michael Schanderl. In einer Würdigung "der Archivar sagt Servus" durch die Gemeindeverwaltung hebt Schanderl heraus, dass Bartmann für sein unermüdliches Engagement den allergrößten Dank aussprechen müsse und dass "die Lücke, die er hinterlässt, schwer zu schließen" sein wird.

Roland Bartmann ist ein Neujahrskind. Er kam am ersten Tag des Jahres 1934 in Gablonz im Sudetenland zur Welt. Er war bei der Bahnpost beschäftigt, ist seit 1965 verheiratet und hat zwei Kinder und drei Enkel. 1969 kam er nach Emmering. Seine Leidenschaft, sich mit Schriftstücken und Dokumenten zu beschäftigen, ist laut Bartmann durch seine enge Freundschaft zum einstigen Brucker Heimatforscher Clemens Böhne gewachsen, der ihn nicht nur in ins Archivwesen eingeführt, sondern auch motiviert habe, sich mit Heimatgeschichte auseinanderzusetzen. "Und ich fand Gefallen daran", stellt Bartmann zufrieden fest.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 50. Geburtstages des Gotteshauses brachte er im Jahr 1978 mit der Chronik "Emmeringer-Pfarrei und Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer" seine erste schriftliche Arbeit heraus und machte dadurch die Gemeindeverwaltung auf sich aufmerksam. 1982 wurde Roland Bartmann als Archivpfleger angeworben, um die bis ins Jahr 1812 zurückreichenden Schriftstücke zu ordnen und zu sichern. 1985 entstand in Zusammenarbeit mit der Gemeinde der Bildband "Emmering in Bildern", und 1990 arbeitete er an der Festschrift "1250 Jahre Emmering, 740 bis 1990" mit. Für seine Engagement wurde Roland Bartmann 2004 mit der silbernen Ehrennadel der Gemeinde und 2007 vom bayerischen Ministerpräsidenten mit dem Ehrenzeichen für besondere Verdienste im Ehrenamt ausgezeichnet.

© SZ vom 09.06.2020

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