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Medienkompetenz:Erziehung zum kritischen Cineasten

In Fürstenfeldbruck wird die bayernweite Schulkinowoche eröffnet. Bei Vorführungen und anschließenden Gesprächen und Seminaren sollen die Jugendlichen Medienkompetenz entwickeln

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Wenn es um Filme geht, dann sind Kinder unreflektierte Konsumenten. Und sie brauchen dringend Aufklärung und Erziehung zur Reflexion. Das jedenfalls erklärte Ingund Schwarz, von der Landesarbeitsgemeinschaft Film und Theater an den bayerischen Schulen und ausgebildete Filmlehrerin, bei der bayernweiten Eröffnungsveranstaltung der Schulkinowoche im Brucker Scala Kino. Damit die Jugendlichen also den richtigen Umgang mit dem Medium Film lernen, findet bundesweit jährlich die Schulkinowoche statt. Bayern ist sowohl bei den Teilnehmenden Kinos als auf bei den Schülerzahlen Spitzenreiter. Insgesamt nehmen im Freistaat 125 Kinos teil, aus dem Landkreis sind das neben dem Scala noch die Gröbenlichtspiele in Gröbenzell und das Cineplex in Germering.

Zu dem Projekt gehören Vorführungen bestimmter, pädagogisch wertvoller Filme, zu denen ein didaktisches Begleitprogramm entwickelt wird, ein Seminarprogramm und Lehrerfortbildungen im Vorfeld. In den Seminaren bekommen die Schüler die Möglichkeit, sich mit den Besonderheiten der gewählten Filme, ihrem Inhalt, Wirkung, Ästhetik und Sprache direkt nach der Vorführung auseinander zu setzen. Dazu sind meist Filmexperten und Filmschaffende vor Ort.

Doppelte Action: Ministerialdirigent Walter Gremm eröffnet in Vertretung seines Ministers die Schulkinowoche.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Eröffnet wurde die Woche am Montagmorgen mit dem Verfilmung von Michael Endes Roman "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer". In ihren Einführungsworten sagte Karin Oechslein vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, das Mitveranstalter ist: "Wir wollen den Unterricht aus der Schule rausholen. Denn wer möchte nicht gerne ins Kino gehen". Durch Filme könne man Kindern viele Themen näher bringen. So auch mit dem Eröffnungsfilm, der viel über Freundschaft, Mobbing, Vorurteile und eine Heldenreise erzähle. Dann verriet Karin Oechslein noch, dass ihr Lieblingscharakter schon immer die Lokomotive Emma gewesen sei.

Schließlich durften die etwa 200 anwesenden Schüler aus mehreren Brucker Schulen dann den Film schauen. Er ist eine deutsche Vorzeigeproduktion, hat 25 Millionen Euro gekostet und eine Planungszeit von mehr als zehn Jahren hinter sich. Das Besondere ist, dass er nicht Puppen, sondern mit echten Schauspielern wie Henning Baum, Anne Frier, Christoph Maria Herbst und Uwe Ochsenknecht produziert wurde. Nachdem die Kinder also die Abenteuergeschichte von Jim Knopf, Lukas dem Lokomotivführer und der Dampflok Emma gespannt bis zum Ende verfolgt hatten, haben sich die Schüler in drei vorher festgelegte Gruppen aufgeteilt.

Die etwa 200 Schüler dürfen den Film "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" anschauen. Als dann Kultusminister Bernd Sibler doch noch kommt, gibt es einfach ein zweites Eröffnungsbild.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Auf jede wartete in einem der Kinosäle ein anderes Seminar. Die erste Gruppe durfte mit dem Produzenten von "Jim Knoopf und Lukas der Lokomotivführer", Christian Becker, darüber sprechen, wie ein Film entsteht. Die zweite Gruppe hat mit der Producerin Tina Kringer ausprobiert, wie man mit visuellen Effekten arbeitet. Und auf die dritte Gruppe wartete die Filmfigur "Neopmuk". Zusammen mit einem Team der Bavaria Filmstadt durften die Schüler probieren, wie man Greenscreen-Szenen produziert.

Schon während der Filmführung gab es eine kurze Podiumsdiskussion mit dem bayerischen Kultusminister Bernd Sibler und anderen Teilnehmern, die über das Konzept der Schulkinowoche sprachen. "Es gibt eine mediale Durchdringung aller Bereiche Da stellt sich die Frage, wie die Schule darauf vorbereiten kann. Wir wissen, dass viele Kinder Medien konsumieren. Wir wollen ihnen zeigen, was es darüber hinaus gibt", erklärte Sibler. Gerade in Zeiten von Fakenews und wachsender Manipulationsmöglichkeiten auch bei bewegten Bildern sei es wichtig, dass Kinder lernen, wie man unterscheiden kann. Kino könne nicht nur ein Ort des Konsums sein, sondern auch einer, an dem Kinder etwas lernen und die Kultur kennen lernen, betonte Elena Solte von Vision Kino, einem Netzwerk für Film und Medienkompetenz. Die Schüler könnten die ästhetische Ebene des Films entdecken und einen eigenen Geschmack entwickeln. All das sei gerade in Zeiten wichtig, in denen Kinder und Jugendliche immer weniger ins Kino gehen und zunehmend Serien und Youtube-Videos konsumieren und immer wieder auch selbst produzieren, erklärte die Filmlehrerin Ingund Schwarz.

© SZ vom 17.07.2018
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