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Mariss Jansons in Germering:Ganz ruhig und sanf

Für die Aufführung von Gustav Mahlers zweiter Symphonie in c-Moll ist der Orlandosaal der Stadthalle Germering zu klein, um sie dort zu proben, geradezu ideal. Bühne und Zuschauerraum waren am Donnerstag bei der Probe des Werks durch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Chor des Bayerischen Rundfunks sowie den WDR Rundfunkchor unter der Leitung von Maestro Mariss Jansons gerade ausreichend, um die zahlreichen Musiker unterzubringen. Wie das ganze symphonische Schaffen des 19. Jahrhunderts steht auch Mahlers 1895 uraufgeführte "Auferstehungssymphonie" in der Nachfolge Beethovens. Die Idee, Chor und Solisten zusätzlich zum Orchester in der Symphonie einzusetzen, geht auf Beethovens neunte Symphonie mit Schillers Ode "An die Freude" im Schlusssatz zurück. So, wie alle musikalischen Parameter im Verlauf des 19. Jahrhunderts eine stetige Steigerung erfahren haben, trifft dies auch auf die Besetzung zu: Neben einem Orchester, das alle erdenklichen Instrumente in mehrfacher Zahl enthält und in Germering allein 16 erste Violinen aufwies, kommt noch ein "Fernorchester" mit jeweils vier Hörnern und Trompeten sowie Pauke, großer Trommel, Becken und Triangel hinzu. Im Chor sangen etwa 125 Sängerinnen und Sänger, außerdem gab es zwei Vokalsoli, nämlich Genia Kühmeier (Sopran) und Gerhild Romberger (Alt).

BR-Orchester

Mariss Jansons probt.

(Foto: Günther Reger)

Für einen Dirigenten stellt die Leitung eines solchen Apparates eine grandiose Herausforderung dar, bedenkt man, dass allein die Zeichengebung sicherstellen muss, dass die Musik prägnant zusammen erklingt. Hinzu kommt, dass die Interpretation für den Dirigenten bedeutet, Klangschichten synchron durchzuhören und Modifikationen in Phrasierung und Balance zielgerichtet vorzugeben. Mariss Jansons brauchte in Germering keine großen Gesten, und doch waren sie so eindeutig und verständlich, dass Musik wunderbar zum Klingen kam. Auch für seine Ansagen brauchte der Maestro nicht viele Worte, und doch führten sie jeweils problemlos zum gewünschten Ergebnis. Zu Beginn attestierte er dem Orchester, dass "da noch zu viel Fleisch" dran sei. Da Auferstehung vom Himmel komme, brauche es eine andere Atmosphäre. An einer Stelle, die der Dirigent zu Beginn der Probe herausgriff, setzte der Chor im äußersten Pianissimo ein, ein sanfter und vollkommener Klang, wie ihn wohl kaum einer der Zuhörer schon jemals so intensiv gehört hatte. Den Chor stützte von unten eine profunde Bassstimme der tiefen Streicher. Der Frage an den Chor, ob sie Kontrabass und Cello hören würden, setzte Jansons gleich eine Erläuterung hinzu: "Wenn sie es nicht hören können, sind Sie zu laut!" Ganz ruhig und sanft korrigierte Jansons, auch einen Schlagwerker an der großen Trommel, für den mehrere Anläufe notwendig waren, um den passgenauen Einsatz in der richtigen Klangfarbe zu finden. Ihm war nicht nur der beharrliche Humor des Dirigenten, sondern auch ein Zwischenapplaus des Chores sicher. Der Piccoloflöte gab er einen Hinweis für die Aufführung, ohne die Stelle zu wiederholen. Vielleicht macht das sichere Wissen, wo etwas in der Probe verbessert werden muss, aber auch das geführte Gewährenlassen an vielen Stellen die musikalische Größe von Mariss Jansons wesentlich aus: Tatsächlich hat er fantastische Musiker vor sich, mit denen er ständig zusammenarbeitet, und die von daher sehr genau wissen, was ihr Chefdirigent möchte. Er behandelt sie aber auch wie ebenbürtige Kollegen und nicht wie Untergebene, so dass der Eindruck aufkam, dass die Probe auch für die Musiker sehr erfreulich war.