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Marionetten-Theater:Märchenstunde auf dem Volksfestplatz

Rettung in letzter Sekunde: Gespannt verfolgen die Kinder wie der Jäger ins Haus der Großmutter kommt, um die alte Dame und das Rotkäppchen aus dem Bauch des Wolfs zu befreien.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In Olching gastiert das traditionsreiche Marionetten-Theater der Familie Maatz. Die Puppen sind teilweise 70 Jahre alt, die Inszenierungen dagegen modern. Damit die Kinder nicht nur zuschauen, werden sie immer wieder in die Aufführung mit eingebunden

Süßer Popcorndurft füllt das Theaterzelt am Volksfestplatz. Das "Festival der Marionetten" der Familie Maatz gastiert derzeit in Olching. Am Donnerstag wurde das Märchen "Rotkäppchen" von den Gebrüdern Grimm aufgeführt. Sieben verschiedene Märchen hat das Theater im Repertoire, jeweils fünf werden an einem Standort gespielt. 31 Eltern und Kinder sind zu der ersten Vorführung in Olching gekommen. "Vor dem Wolf braucht ihr keine Angst zu haben, der bleibt auf der Bühne, der ist nur eine Marionette", werden die Kinder vorab beruhigt.

Glocken läuten zum Beginn und das Licht in den Kronleuchtern erlischt. Der Vorhang öffnet sich und Rotkäppchen und seine Mutter erscheinen auf der Bühne. "Liebevoll umgestaltet" und "mit Witz aufgelockert" sind die Märchen, die das Ehepaar Simon und Tanja Maatz vorführt. Denn in ihrer ursprünglichen Form können sie für Kinder teilweise etwas grausam sein. "Tritratralala, der Kasperle ist wieder da": Der Kasper trete in dem Stück auf, weil er bei den Kindern immer gut ankomme, sagt Simon Maatz. Bei der Aufführung werden die Kinder immer wieder direkt angesprochen und ins Stück integriert. "Habt ihr auch keine Angst, wenn der böse Wolf kommt?", fragt der Kasper. "Nein!", rufen die Kinder zurück.

Das Stück wird in drei Akten vorgeführt. Der erste Akt spielt im Haus vom Rotkäppchen und seiner Mutter, der zweite im Wald und der dritte im Haus der Großmutter. "Wie heißt du denn?", fragt der Wolf Rotkäppchen. "Rotkäppchen", antwortet es. "Rotbäckchen?", fragt der Wolf nach. "Nein, Rotkäppchen", erwidert das Mädchen. "Ah, Brotkäppchen", sagt der Wolf, die Kinder lachen. Der Wolf wird eher lustig dargestellt als furchteinflößend, mit einer roten Zunge, die ihm aus dem Maul hängt. Nachdem er die Großmutter verspeist hat, setzt er sich ihr Häubchen und ihre Brille auf. "Ich seh doch aus wie die Großmutter, oder Kinder?", fragt der böse Wolf. Der bekannteste Dialog aus dem Märchen darf natürlich nicht fehlen. "Großmutter, du hast ja so große Ohren", sagt Rotkäppchen. "Ja, damit ich dich besser hören kann", antwortet der Wolf und verschlingt mit seinem großen Maul das Rotkäppchen. Nach einer knappen Stunde Spielzeit werden die Großmutter und Rotkäppchen wieder aus dem Bauch des Tieres gerettet und der böse Wolf ist mit Steinen im Bauch gestorben.

Im Anschluss an das Kasperlstück gibt es eine Marionettenshow mit Tanz- und Verwandlungsfiguren, bei der Simon und Tanja Maatz noch einmal zeigen, wie filigran sie die Puppen mit den Fäden bewegen können und wie sie selbst kleinste Bewegungen der Marionetten, wie etwa das Blinzeln der Augen, kontrollieren. "Hat es euch gefallen?", werden die Kinder am Ende gefragt. "Ja!", antworten die Buben und Mädchen begeistert im Chor. Im Anschluss können die Kinder noch für vier Euro ein Erinnerungsfoto von sich machen lassen, während sie auf der Bühne zwischen den Puppen sitzen. Zu zweit hatten Simon und Tanja Maatzan diesem Tag die Marionettenfäden in der Hand, sie sprachen mit unterschiedlichen Stimmen die insgesamt neun Figuren des Stücks. Je nach Märchen arbeiten sie mit bis zu vier Puppenspielern, dann helfen die Söhne Adriano und Angelo mit, erklärt Simon Maatz. Die meisten Puppen ihrer Rotkäppchen-Aufführung seien bereits 70 Jahre alt, ergänzt er stolz. Über hundert Marionetten sind im Besitz der Familie, manche von ihnen sind sogar knapp hundert Jahre alt und stammen noch von Maatz' Großvater. Festival der Marionetten, bis 26. August, Vorstellungen täglich um elf Uhr, am Volksfestplatz Olching. Von 5. bis 9. September in Germering.

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