Flüchtlingshelferin Die Heldin und ihr Manager

Marc Heinkelein unterstützt Yusra Mardini als Manager und organisiert die Termine der Leistungssportlerin.

(Foto: privat/oh)

Auf der Flucht aus Syrien hat Schwimmerin Yusra Mardini im Mittelmeer Dutzende Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Marc Heinkelein hat ihre Geschichte an Hollywood verkauft.

Von Julia Bergmann, Olching

Angelika Heinkelein-Reithmayr ist der Typ Mutter, die ihrem Sohn gerne Geschichten aus der Zeitung ausschneidet. Für den Manager Marc Heinkelein ein Glücksfall, weil er nur so auf diesen einen Nebensatz stoßen konnte, der es ihm später erlauben sollte, vom beschaulichen Olching aus einen millionenschweren Hollywood-Deal einzufädeln.

Als Heinkelein den Text über Yusra Mardini las, hatte er bereits von der Geschichte des syrischen Flüchtlingsmädchens gehört - wie hätte es auch anders sein können, füllte Mardinis spektakuläre Lebensgeschichte Zeitungen und Nachrichtensendungen im ganzen Land. 2015, auf ihrer Flucht von Syrien nach Berlin, geriet das Boot auf dem Mittelmeer in Seenot. Weil sie sofort reagierte und über Stunden hinweg kämpfte, rettete sie mit Hilfe zweier anderer die vielen Insassen vor dem Ertrinken.

Ein Jahr später, Mardini schwamm damals schon seit einiger Zeit bei den Wasserfreunden Spandau 04, trat sie bei den Olympischen Spielen in Rio an und machte mit ihrer Geschichte Schlagzeilen. Alle berichteten über Yusra, die syrische Schwimmerin, die irgendwo in der erbarmungslosen See vor Lesbos zur Heldin geworden war. Während die Presse sich um das Mädchen riss, behielt einer immer ein wachsames Auge auf sie: Sven Spannekrebs, ihr Berliner Schwimmtrainer. Nur dass Spannekrebs schon lange nicht mehr "nur Schwimmtrainer" war, sondern auch Manager, Berater und Pressesprecher. Viel zu tun also für Spannekrebs - so stand es auch in eben jenen Nebensatz, den Heinkelein hunderte Kilometer entfernt, an seinem Küchentisch in Olching las.

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Ohne Zweifel war Heinkelein beeindruckt von der Geschichte der jungen Frau. Gehörte sie nicht genau zu jenen Persönlichkeiten, die er in seiner Agentur vertreten wollte? Mit seiner Firma Stagefields kümmert sich der Olchinger um "Sportler und Artisten mit Persönlichkeit". Sein Konzept ist es, maßgeschneidertes Management für eine ausgewählte Anzahl von Klienten anzubieten. "Boutique style" wie es auf der Unternehmenshomepage heißt.

Und da sitzt Heinkelein nun vor diesem Artikel, der von Yusras unglaublicher Geschichte erzählt und von Spannekrebs, der sich um ein professionelles Management für seinen Schützling bemühen will. "Ich mache so etwas normalerweise nicht", sagt Heinkelein. Aber irgendetwas sei dann doch an der Geschichte dran gewesen, das ihn zum Laptop greifen und eine E-Mail an den Spandauer Trainer schreiben ließ.

Und dann? "Ist erst mal ganz lange überhaupt nichts passiert", sagt Heinkelein. Er schob die E-Mail in die hinterste Ecke seines Gedächtnisses, wo sie nach und nach in Vergessenheit geriet. Von Spannekrebs, da war sich Heinkelein sicher, würde er nichts mehr hören. Sicher waren da schon Tausende, die sich um das Management der jungen Syrerin stritten. Und so dachte der Olchinger schon nicht mehr an Yusras Pressesprecher, als dieser sich Monate später doch noch meldete. Ein Treffen war schnell vereinbart, und Heinkelein hörte die Geschichte Mardinis zum ersten Mal persönlich.

Neun Kilometer vor Lesbos auf dem Meer, der Wind tobt, die Wellen peitschen und plötzlich passiert das Unglück: Der Boardmotor eines Schlauchboots, voll besetzt mit 18 Flüchtlingen, fällt aus. Yusra und ihre Schwester Sarah, beide bereits seit frühester Kindheit Schwimmerinnen, springen über Board. Gemeinsam mit anderen versuchen sie, den Rumpf des vollaufenden Boots stabil zu halten, gegen die Wellen anzukämpfen, nicht zu ertrinken. Fast drei Jahre ist das her. Nach stundenlangem Überlebenskampf gelingt es ihnen, den Motor wieder zum Laufen zu bringen und die griechische Insel zu erreichen. Eine Fluchtgeschichte, die auch anders hätte ausgehen könne, eine Geschichte, wie sie die Menschen lieben, weil es sie daran erinnert, dass es sich zu kämpfen lohnt.