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Manga Convention in Fürstenfeldbruck:Futuristische Krieger und verträumte Prinzessinnen

Sie verkleiden sich wie Figuren aus japanischen Zeichtrickserien und lieben Comics: 100.000 Mitglieder hat die Online Community Animexx. Hinter der Webseite steht ein Verein aus München. Er ist seit über zehn Jahren Anlaufstelle für Mangafans aus ganz Deutschland, am Wochenende treffen sie sich in Fürstenfeldbruck.

Bunte Poster an den Wänden, Regale voll mit Comicbüchern und irgendwo ein seltsamer japanischer Glücksspiel-Automat. Die Einrichtung passt nicht so ganz zum biederen und sterilen Stil der Räume. Tobias Hößl sitzt an einem gläsernen Konferenztisch. Auch der passt nicht so ganz zu einem Verein, der sich ganz Comics und Zeichentrickfilmen aus Japan verschrieben hat. Doch für den 29-Jährigen scheint es keinen besseren Arbeitsplatz zu geben. Hier arbeitet Tobias Hößl nicht nur - hier lebt er jeden Tag seinen Traum: Manga- und Anime-Fans eine gemeinsame Plattform bieten.

Tobias Hößl (29), Juliane Foge (24) und Anita Lewinsky (27) vom Münchner Verein Animexx. Am Wochenende erwarten sie als Veranstalter wieder tausende Mangafans in Fürstenfeldbruck.

(Foto: Sebastian Ehm)

Vor 12 Jahren hat Tobias Hößl Animexx mit Freunden zusammen gegründet und die Homepage programmiert. Heute ist er hauptamtlicher Geschäftsführer von Animexx e.V. und auf der kostenlosen Website haben sich inzwischen 110.000 User registriert. Auch 1000 Fördermitglieder hat der Verein mittlerweile. Sie zahlen zwischen 6 und 60 Euro Jahresbeitrag.

Damit ist Animexx zu einer zentralen Institution der deutschen Manga- und Anime- Szene geworden. Eine Anlaufstelle für alle Fans, die sich über ihr Hobby austauschen und mit anderen Gleichgesinnten vernetzen wollen. Und die finden sich nicht nur im Netz, sondern auch im realen Leben - wie etwa am Wochenende in Fürstenfeldbruck. Zur Anime- und Manga-Convention "Animuc" treffen sich zahlreiche Fans der japanischen Comic-Kultur im Veranstaltungsforum Fürstenfeld.

Veranstaltet wird die Convention von Ehrenamtlichen - und das bereits zum vierten Mal. "Wir erwarten dieses Jahr ungefähr 3000 Leute", meint Mitorganisatorin Juliane Foge. Die Fans können sich dort japanische Zeichentrickserien ansehen, Comics kaufen oder verkaufen und noch einiges mehr. Und auch Familien und Kinder kommen auf das Festival, aber eher wegen der japanischen Brettspiele. Das Vorurteil, dass Manga und Co. nur Freizeitbeschäftigungen für Nerds sind, ist längst überholt.

Auch Tobias Hößl hätte sich als Teenager so eine Plattform gewünscht. Seit Ende der neunziger Jahre ist er Manga und Anime-Fan. Damals bricht ein regelrechter Anime- und Mangaboom über Deutschland herein. Im Nachmittagsprogramm auf RTL II liefen zeitweise mehrere Stunden lang Anime-Serien, wie "Sailor Moon", "Dragonball" und "Pokémon". Mangas waren Mode, Anime stark gefragt. Und Hößls Begeisterung nicht mehr zu bremsen.

Schon damals wollte sich Tobias Hößl unbedingt mit Gleichgesinnten treffen, über sein Hobby sprechen. Doch es gab weder regelmäßige Conventions, noch eine Online-Community. Erst nach langer Suche im Netz ist er fündig geworden. "Es war anfangs gar nicht so leicht, jemanden mit den gleichen Interessen zu finden", erinnert er sich. Tobias Hößl kommt aus dem Städtchen Neumarkt-Sankt-Veit in der oberbayerischen Provinz. Das Internet war auf jeden Fall der alles entscheidende Faktor. Er verabredete sich mit Anime- und Manga-Begeisterten aus ganz Süddeutschland zu kleinen Conventions, um Anime-Serien zu sehen oder über die neuesten Comic-Trends aus Japan zu diskutieren. So entstand die Idee für Animexx.

Phänomen Cosplay

Aus Japan schwappte, vermutlich um die Jahrtausendwende, ein neuer Trend auf die Conventions, der bis heute viele Fans fasziniert: das Cosplay. Zusammengesetzt aus "Costume" und "Play". Eine Mischung aus Verkleidung und Theaterspiel. Man versucht Figuren aus einer Anime-Serie möglichst detailgetreu in Aussehen und Verhalten zu imitieren. Auch in Fürstenfeldbruck werden wieder hunderte Cosplayer erwartet.

"Eigentlich macht das Rollenspiel beim Cosplay höchstens zehn Prozent aus", meint die passionierte Cosplayerin und Vorstandsmitglied von Animexx Anita Lewinsky, "oft ist es auch einfach nur ein Sehen und Gesehen werden." Manche verkleiden sich als Krieger mit futuristischen Uniformen und meterlangen Schwertern, andere mimen eher die verträumte Prinzessin. Es geht um das beste Kostüm. Und Cosplayer streben nach Perfektion.

Sie basteln sich ihre Verkleidung meist selbst. In tagelanger Handarbeit werden die aufwendigsten Kostüme genäht. Ungefähr einhundert hat Anita Lewinsky, 27 Jahre alt, mittlerweile bei sich zu Hause. Alle selbstgenäht. Sie müsste das Ganze einmal aussortieren, kann sich aber von den Stücken nicht trennen. "Da steckt so viel Herzblut drin." Wegschmeißen oder verkaufen will sie die Kostüme auf keinen Fall.

Bei so auffälligen Kostümen kann es schon schnell mal dazu kommen, dass Laien Cosplay mit der gesamten Manga- und Anime-Szene verwechseln. Tobias Hößl glaubt, den Grund zu kennen: Es liege daran, dass das Cosplay bei weitem das meiste Medieninteresse erzielt. Das sei schade, weil es andere interessante Dinge einfach überlagere. Neben dem Cosplay ist die Szene unglaublich vielfältig. Fans schreiben eigene Romane, sogenannte FanFiction, oder zeichnen selbst Mangas.

"Deswegen haben wir das Angebot auf der Homepage von Animexx immer weiter ausgebaut und kontinuierlich neue Sachen eingearbeitet", meint Tobias Hößl. Neben der Online-Community haben die Mitglieder mittlerweile die Möglichkeit ihre selbstgemachten Produkte der Öffentlichkeit zu präsentieren, neues Material aus Japan zu kaufen oder Fanartikel zu tauschen. Seit kurzem gibt es sogar eine Manga-Hörbuchsektion.

"Um so eine Vielfalt zu erreichen war extrem viel Arbeit nötig", erinnert sich Anita Lewinsky. Anfangs waren sie noch selbst Gäste auf Conventions. Doch die Zeiten sind vorbei. Viel Engagement und Werbung für den Verein waren nötig, um die Aufmerksamkeit der Szene auf sich zu lenken. Heute, Jahre später, sind aus Gästen Gastgeber geworden. Bis zu 1000 ehrenamtliche Helfer organisieren in allen großen Städten von Kiel bis München regelmäßige Treffen. Allein die "Connichi" in Kassel hat jährlich 18.000 Besucher. Auch die "AnimagiC" lockt Jahr für Jahr 15.000 Personen nach Bonn.

"Da ist die "Animuc" in Fürstenfeldbruck eine eher gemütliche Convention", meint Juliane Foge. Doch was hier zählt ist die Location. "Das alte Klostergemäuer bietet einen fantastischen Hintergrund für Fotos", meint Anita Lewinsky. Vor allem für die Cosplayer natürlich eine einmalige Gelegenheit.

Die Organisation ist jedes Mal ein Kraftakt. Gerade kurz vor Beginn der Convention. "Zur Zeit komme ich abends aus der Arbeit nach Hause und muss dann noch drei bis vier Stunden für die Animuc ran", sagt Juliane Foge. Am Ende sei es dennoch immer ein sehr gutes Gefühl, wenn es ein Erfolg war.

Doch wie finden es eigentlich die Bewohner von Fürstenfeldbruck, dass am Wochenende wieder hunderte verkleideter Cosplayer die Stadt entern? "Da gibt es eigentlich nie Probleme", meint Tobias Hößl, "die Atmosphäre ist immer sehr entspannt und friedlich. Auf mich wirkt die Animuc immer sehr idyllisch, vielleicht ein bisschen surreal." So wie der japanische Glücksspiel-Automat im Konferenzraum von Animexx. Doch Zeit zum Spielen wird Tobias Hößl in den nächsten Tagen sicher nicht haben. Alles aus Leidenschaft für sein Hobby.

Animuc - Anime- und Manga-Convention, Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck, Samstag 14.4. 10.00 Uhr bis 24.00 Uhr, Sonntag 15.4. 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, mehr Infos unter: www.animuc.de

Animuc in Fürstenfeldbruck

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