Süddeutsche Zeitung

Mammendorf:Windkümmerer hofft auf Gesetzesänderungen

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Peter Beermann kritisiert bei einem Treffen mit Grünen und Brucker Stadtwerken die Hemmnisse, die dem Bau von Windenergieanlagen im Weg stehen

Von Manfred Amann, Mammendorf

Ohne die Energiewende ist der Klimawandel nicht zu stoppen, und ohne die Windkraft wird die Energiewende nicht zu schaffen sein. In diesem offensichtlichen Zusammenhang sind sich die Grünen der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck und die Stadtwerke Fürstenfeldbruck einig. Zu einem Gedankenaustausch am und im Turm des Mammendorfer Windrads kamen die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer und der von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger für Oberbayern eingesetzte Windkümmerer Peter Beermann. Der 46 Jahre alte Unternehmer ist Geschäftsführer einer Energiesysteme-Firma in Solln. Kritisiert wurde, dass weitere Windkraftanlagen im Kreisgebiet nur dann errichtet werden können, wenn die Politik die rechtlichen Hürden abbaut. "Wir brauchen neben zusätzlichen Photovoltaikanlagen je nach Nabenhöhe noch acht bis zehn Windräder, um die vollständige Versorgung des Landkreises mit erneuerbaren Energien stemmen zu können" sagte der Vertriebsleiter des Brucker Energieversorgers, Andreas Wollmann.

Dass auch im Landkreis Windräder wirtschaftlich betrieben werden können, sei durch die beiden schon erfolgreich laufenden hinreichend belegt. "Etwa 5,2 Millionen Kilowattstunden seien als Ertrag erwartet worden, tatsächlich werde aber mit rund sechs Millionen Kilowattstunden eine deutlich höhere Stromausbeute erreicht, ergänzte Mitarbeiterkollege Markus Wäcker. "Damit ist auch der anfänglichen Kritik der Gegner zur Wirtschaftlichkeit die Basis entzogen", befand Beermann. Auch die Einstellung der Bevölkerung zu Windrädern habe sich zum Positiven verändert, denn man habe erkannt, dass weder die "Verspargelung der Landschaftat" noch die Gefährdung von Vögeln zu befürchten sei. "Bei den Stadtwerken ist noch nie eine Meldung zu einem toten Vogel eingegangen, der durch die Rotoren getötet worden sein könnte, versicherte Wäcker. Zum Schutz von Fledermäusen würden überdies beide Windräder zu bestimmten Zeiten abgeschaltet. Laut Wollmann könnten mittlerweile Windräder mit höheren Nabenhöhen als die vorhandenen mit 135 Meter noch viel mehr Strom erzeugen.

"Damit würden aber auch die Abstände nach der Zehn-H-Regelung größer", warf daraufhin Ingrid Jaschke ein. Dann wäre noch weniger ein weiteres Windrad im Landkreis möglich, befand die Kreisvorsitzende der Grünen. Um solche Projekte planen und umsetzen zu können, müsse die Politik allerdings einiges ändern, sagte Beermann. Der daraufhin eingeworfene Vorschlag, Beate Walter-Rosenheimer solle Bundesinnenminister Horst Seehofer zum Abschied von der Politik gratulieren und ihn auffordern "seine Zehn-H-Regelung" mit in den Ruhestand zu nehmen, sorgte für Gelächter.

Dem Windkümmerer bereitet jedoch ein anderes Hemmnis größere Sorgen. Die vom Luftamt überwiegend für das Militär festgelegte Maximalhöhe für Bauten jeder Art verhindere sogar Anlagen in gleicher Höhe, führte er aus. Daran könne auch die geplante Bürgeranlage bei Jesenwang scheitern. Die Begründung laute, die Richtfunkstrecken für den Flugbetrieb dürften nicht gestört werden. Das größte Hindernis sieht Beermann aber in den kaum noch erfüllbaren Anforderungen an Windradplanungen. Durch Gerichtsurteile und entsprechende Nachsteuerungen sei der Windenergieerlass so verwässert, dass Windkraftgegner, speziell der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB), jeden genehmigten Bauantrag zu Fall bringen könnten. "Welcher Bürgermeister oder Investor sollte sich daher die Mühen noch antun?", fragte Beermann. Von den Politikern erhofft er sich daher rasch eine Neufassung. Dem pflichtet auch Walter-Rosenheimer bei, auch wenn Windräder dem Artenschutz nicht zuträglich sind. Die allgemeine Einstellung beim Treffen war: "Wenn wir die Energiewende und den Klimaschutz nicht hinkriegen, braucht es wahrscheinlich auch keinen Artenschutz mehr."

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SZ vom 12.07.2021
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