Mammendorf:Unwillkommene Vögel

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In etlichen Kommunen im östlichen Landkreis gibt es Kolonien von Saatkrähen. Jetzt haben sich die Tiere auch in Mammendorf niedergelassen. Die Gemeinde will sie loswerden

Von Manfred Amann, Mammendorf

Bislang haben nur Kommunen im Osten des Landkreises Probleme mit Saatkrähenkolonien gehabt. Nun macht sich auch in Mammendorf, in einem baumreichen Ortsteil, eine Splitterkolonie breit. Auf Antrag von Einwohnern will der Gemeinderat eine dauerhafte Ansiedlung der unter Artenschutz stehenden Vögel verhindern und will bei der Oberen Naturschutzbehörde Maßnahmen für ein nachhaltige Vergrämung der Tiere beantragen. Gewünscht wird: außerhalb der Aufzuchtzeit der Jungen die Nester beseitigen zu dürfen sowie die Krähen durch den Einsatz von Greifvögeln verjagen und Eier aus den Nestern nehmen zu können. Zudem beantragt die Gemeinde eine Abschusserlaubnis.

Mammendorf: Neues Zuhause: Saatkrähen haben sich in Bäumen und Hecken im Gemeindegebiet von Mammendorf niedergelassen. Die schwarzen Vögel finden dort wohl gute Lebensbedingungen vor.

Neues Zuhause: Saatkrähen haben sich in Bäumen und Hecken im Gemeindegebiet von Mammendorf niedergelassen. Die schwarzen Vögel finden dort wohl gute Lebensbedingungen vor.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Woher die Krähen kommen und ob sie eventuell deswegen in den Westen abgewandert sind, weil sie aus Puchheim, Maisach, Olching oder Eichenau verscheucht wurden, das ist unklar. Wie Bürgermeister Josef Heckl (Bürgergemeinschaft) in der jüngsten Sitzung informierte, wurde die Gemeinde im Frühjahr von Anwohnern der Eichen- und der Ahornstraße darauf aufmerksam gemacht, dass sich immer mehr Saatkrähen einfänden und schon rund 80 Nester gezählt worden seien. "Die ekelige und unansehnliche Verkotung im Bereich der Ansiedlung sowie die Lärmbelästigung hatten zu diesem Zeitpunkt angeblich bereits unerträgliche Ausmaße angenommen", sagte Heckl. Eine Meldung an die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt habe ergeben, dass "an diesem Standort keine Vergrämung notwendig" sei. Da die Zuständigkeit jedoch bei der Oberen Naturschutzbehörde liege, hat die Gemeinde die Ansiedlung einer Saatkrähenpopulation dort angezeigt. "Die Kolonie war noch nicht bekannt, musste also erst beim Landesamt für Umwelt in der Saatkrähendatenbank erfasst werden", sagte Heckl.

Mammendorf: An die 80 Nester von Saatkrähen sind nach Auskunft von Bürgermeister Josef Heckl gezählt worden.

An die 80 Nester von Saatkrähen sind nach Auskunft von Bürgermeister Josef Heckl gezählt worden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Uwe Temper aus Gernlinden, der die Kolonie für das Landesamt erfasste, habe bei einem Standorttermin die Hoffnung geäußert, dass die Vögel nach der Brutzeit wieder abziehen würden. Das sei aber nicht passiert, sodass die Gemeinde tätig werden müsse, um die Kolonie wieder loszuwerden, und zwar durch ein gezieltes Fortscheuchen, die andernorts bereits Wirkung gezeigt habe, sagte der Bürgermeister. Den Antrag auf eine Abschusserlaubnis hält er allerdings für chancenlos. Ziel von Maßnahmen zur Verbannung ist es laut Naturschutzbehörde, die Saatkrähen wieder in die unbebaute Landschaft zurückzudrängen. Die über Generationen andauernde Konditionierung der Vögel auf den Siedlungsraum müsse aufgelöst werden, hieß es.

Laut Heckl gibt es im Außenbereich von Mammendorf genügend geeignete Feldgehölze und -hecken, wohin die Vögel ausweichen könnten. Einige Gemeinderäte wandten ein, dass die Saatkrähen wegen ihres massenhaften Auftretens und großen Hungers auch von Jägern und Landwirten nicht gern gesehen sind. Heckl wies darauf hin, dass Germering, Puchheim, Gröbenzell, Olching, Eichenau und Maisach eine koordinierte Vergrämungsaktion planten und die Verwaltung mit Maisach im engen Austausch stehe. Dennoch hält der Rathauschef eine eigenständige Vergrämung eher für zielführend. "Die Zahl der Saatkrähen in Bayern, ganz besonders im Landkreis, habe in den letzten Jahren stetig zugenommen. "Damit ist in unserer Region die Erhaltung der Art sicher erreicht", findet Heckl. "Die Gemeindeverwaltung sehe ein öffentliches Interesse darin, das Entstehen von Saatkrähenkolonien in Siedlungsbereichen zu verhindern, denn für Anwohner entstehe insbesondere während der Brutzeit vom Frühjahr bis Ende Juni eine erhebliche Verschmutzung und Lärmbelästigung.

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