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Mammendorf:Narrenzug der Rekorde

In Mammendorf sind etwa 7000 Besucher von der Faschingsveranstaltung mit mehr als 50 Teilnehmern begeistert

Für den Theaterverein Mammendorf ist die ganze Welt ein Zirkus. An der Anzahl der Clowns und der vielen wilden Tiere gemessen, die am Faschingsdienstag im Narrenzug durch das Dorf zogen, könnte man dies fast glauben. Dutzende Kängurus und Koalabären aus Landsberied suchten Schutz vor dem Klimawandel, Tiger und Löwen waren unterwegs und Alpenkühe kreisten um einen "Saupreiß", der sich über Kuhglocken und Kirchturmgeläute aufregte. Fast 30 Motivwagen, etwa 20 Fußgruppen und eine Vielzahl Verkleideter, wie etwa der "Rote Radler", bildeten den wohl längsten Faschingszug bisher.

"Dass der TSV Moorenweis am Sonntag anlässlich seiner Hundertjahrfeier auch einen Umzug organisiert hatte, das merken wir stark, die dortigen Gruppen kommen dann auch zu uns herüber", sagte Kulturreferent Anton Fasching, der mit Bürgermeister Josef Heckl und Mitgliedern des Faschingsausschusses fleißig Bonbons verteilte. Eltern und Kinder hielten Tüten oder Stofftaschen hoch, in der Hoffnung , dass möglich viele Süßigkeiten drinnen landen, und vereinzelt wurde Schirme umgedreht, um möglichst viele Bonbons, Schokoriegel oder Popcorntüten aufzufangen. Auch die Zuschauer, die sich entlang der Straße schon lange vor dem Zugstart versammelt hatten und sich an den Verkaufsständen mit Karpfen und Getränken versorgten, dürfte mit schätzungsweise 7000 eine Rekordhöhe erreicht haben. Manche hielten sich wegen der lauten Musik die Ohren zu, und ein Mann wunderte sich, darüber dass das "Monster-Traktoren-Treffen" jedes Jahr größer wird. "Die Musik muss ja so laut sein, sonst würde man ja nur den Motorenlärm hören", befand dazu einen Frau.

Hoch auf dem Lego-Wagen würdigen die Burschen aus Dünzelbach beim Mammendorfer Faschingszug die Legosteine.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Ideen, die von den Teilnehmern auf Wagen oder zu Fuß umgesetzt wurden, waren sehr vielfältig, die wenigsten aber nahmen die große Politik auf die Schippe. Jugendliche aus Biburg und Puch warben für eine "Tempolimit 300" auf Bayerns Straßen und eine Ferrari-Sprit-Crew mit Bobby-Cars brüstete sich damit, am meisten Sprit zu tanken. Die Turner-Garde aus Moorenweis feierte ihr 70. Jubiläum unter dem Motto "Manege frei", die Burschen aus Dünzelbach würdigten den Lego-Spielstein und die Moorenweiser das Spiel Monopoly, auf dem Dorfstraßen und örtliche Bauten benannt waren. Auf einem Wagen saßen Hattenhofener Burschen in einer Justizvollzugsanstalt hinter Gittern, weil sie ins Sportlerheim eingebrochen waren, und "Wilde Kerle" und "Wilde Weiber" tanzten ausgelassen zu Hip Hop.

"Bei uns gibt es keine so laute Brummelmusik, wir haben nur Bayern-Pop, weil wir bodenständig sind", befand Peter Kieser, der mit Freunden den Aufstieg der Biburger Fußballmannschaft in die B-Klasse im Jahre 1979 feierte. "Soll heißen, dass es wieder Mal an der Zeit wäre mit einem Aufstieg", meinte dazu ein Mädchen. Allerdings wurden die bayerischen Lieder von den wummernden Tönen aus dem Lautsprechern des "Disco-Boandl" überlagert. Weil der "Adlshofa-Bier-Club" gerne mit einem Floß auf der Amper fährt, zeigten die Mitglieder stolz ihre Holzstammgefährt auf der Straße, wie Stefan Klaß erklärte. Aus "Schwoabach" waren Kohle-, Plastik- und Ölhexen gekommen, um für den Klimaschutz zu werben, und in einem Leiterwagerl fuhr auch die Greta Thunberg mit.

Der Bier-Club aus Adelshofen zeigte sein Floß, mit dem er gerne die Isar befährt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Mammendorfer Feuerwehr lästerte über die Jugend, weil die es nicht schafft, heuer einen Maibaum aufzustellen, und auf einem kleineren Wagen mit einer Abbildung des Schambergerhauses wurde darauf hingewiesen, dass schon 2011 vom "Ende des Siechtums" für den alten Kramerladen gesprochen wurde, aber nichts vorangeht, obwohl die Gemeinde das Gebäude schon vor Jahren gekauft hat. "Außer dass es einen Workshop gegeben hat ist nichts passiert, wir möchten da eine bisschen Druck machen, damit wir endlich das geplante Kultur-Kreativ-Café bekommen", so Christian Schneider.

Zwischen den Wagen huschten immer wieder seltsame Gestalten durch, wie eine lebende Gießkanne oder ein Eisbär oder es wurde teils mit akrobatischen Einlagen auf der Straße getanzt. Footballspieler warfen sich Bälle zu, und an einer mobilen Zapfanlage wurde großzügig Bier ausgeschenkt. Nach etwa gut 90 Minuten war der Narrenzug zu Ende, und dann wurde auf dem Mammendorfer Rathaus-Vorplatz weitergefeiert.

© SZ vom 26.02.2020
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