Aus einem denkmalgeschützten ehemaligen Bauernhof im Mammendorfer Ortsteil Nannhofen, den Petra und Florian Gerum erworben und saniert haben, ist ein modernes Bildungs- und Begegnungszentrum geworden – mit Veranstaltungsräumen und Platz für kreative, pädagogische sowie kulturelle Angebote. Das 270 Jahre alte Gebäude an der Dorfstraße mit dem alten Hausnamen „Großschuasta“, das auch schon als Armenhaus diente, ist fortan das „Stammhaus“ des zertifizierten Bildungsträgers „Help4Help“, den Petra Gerum und die Neubibergerin Martina Brunner im Jahr 2018 gegründet haben. Ihre soziale Ader habe sie seinerzeit angetrieben, verraten die beiden. Als infolge des Ukraine-Krieges noch mehr Flüchtlinge gekommen seien als vorher, hätten sie ihre Unterstützung ausgeweitet.
In dem mit einem Anbau erweiterten Gebäude befindet sich auch ein öffentliches Café mit Außenbereich. Der Name „Lebensgfui“ soll auch in Ausstattung und Service vermittelt werden. „Im Café kann man entspannt frühstücken, sich bei Veranstaltungen inspirieren lassen oder einfach nur eine kleine Auszeit vom Alltag genießen“, heißt es in einem Werbetext. Sie sei „begeistert und dankbar zugleich“, sagt Petra Gerum.

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Denn für sie sei „ein Traum in Erfüllung gegangen. Es ist ein Ort entstanden, an dem Bildung, Begegnung und Genuss zusammenkommen, wo Menschen sich austauschen, sich an- und aufgenommen fühlen und sich einfach wohlfühlen dürfen.“ Das Haus vereine unter seinem Dach „ein stilvolles Café, helle Seminarräume, ein Podcast-Studio und Platz für Workshops, Musikabende sowie für Lesungen und betriebliche Teamsitzungen“. Über die Lebensgfui GmbH können die Räume auch gebucht und Co-Working-Spaces gemietet werden.
Mit einer Spielecke, familienfreundlich eingerichtet, zudem barrierefrei gestaltet und geprägt von einer einladenden Atmosphäre, ermögliche das Haus ungezwungene Begegnungen, sagt Gerum. Dadurch werde auch sichtbar, was die Gründerinnen antreibe: „Menschen zusammenbringen und Impulse für persönliches Entwicklungen geben“.
Die Bildungseinrichtung Help4Help, die auch in Neubiberg, Landshut und Augsburg Niederlassungen betreibt, begleitet Menschen, egal ob sie neu in Deutschland sind oder sich beruflich neu ausrichten wollen, auf ihrem Weg in Ausbildung und Arbeit. Das Besondere daran ist, dass alle Hilfesuchenden persönlich und muttersprachlich begleitet werden. Das Coaching erfolge individuell oder in Kleingruppen und in enger Zusammenarbeit mit den Jobcentern. Besonders erfolgreich sei die Begleitung von Geflüchteten. Durch das Coaching in ihrer Muttersprache und durch persönliche Betreuung fänden sie schnell Zugang zum Arbeitsmarkt, erklären die Leiterinnen. Die Vermittlungsrate der staatlichen Jobvermittler in den Arbeitsmarkt liege bei sechs, sieben Prozent. „Wir können mit Stolz auf über 50 Prozent verweisen“, sagt Martina Brunner.



Neben Jobcoachings bietet die Einrichtung ein breites Bildungsprogramm an: Sprachkurse für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, pädagogische Weiterbildungen, zum Beispiel zur Assistenz- oder Fachkraft in bayerischen Kitas sowie Berufsorientierung für Schüler und Studierende. „Das Ziel ist immer dasselbe: Menschen befähigen, ihre nächsten Schritte selbstbewusst zu gehen, mit Herz, Struktur und realistischen Perspektiven“, sagt Gerum. Dafür stehen in Nannhofen rund 20 überwiegend mehrsprachige Mitarbeiter zur Verfügung.
Manche jungen Menschen hätten wenig bis gar kein Selbstbewusstsein oder Selbstvertrauen, berichtet Gerum. Diese in ihrer Persönlichkeit zu stärken, sei nicht einfach, aber mitentscheidend für eine erfolgreiche Stellenvermittlung. Manche seinen unmotiviert, hätten sich an ein Leben von Sozialleistungen gewöhnt und müssten erst von einer besseren Zukunft in Arbeit überzeugt werden. Dazu arbeite man mit den Jobcentern und vielen unterschiedlichen Unternehmen in der Region zusammen, auch um eine individuelle Fortbildung abzusprechen, die eine Einstellung erleichtere.
Finanziert wird die Bildungseinrichtung im Wesentlichen durch sogenannte Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine, die von der Bundesagentur für Arbeit oder Jobcentern ausgestellt werden. „Wir schulen, fördern mit steigender Tendenz aber auch Selbstzahler, die sich verändern oder im Beruf vorankommen wollen“, verrät Petra Gerum.
Weitere Informationen unter: www.help4help.de, Kontakt per E-Mail: servus@help4help.de und per Telefon 08145-99974-18.

