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Mammendorf:Auf heimatlichem Boden

Karin Sepp Vorsitzende der Landfrauen - Eröfnungsreden

Kreisbäuerin Karin Sepp ist am Landfrauentag die einzige Frau, die eine Rede hält. In dieser spricht sie über die Freude des Landwirtschaftens.

(Foto: Matthias F. Döring)

Der Landfrauentag beschwört den Wert eines viel diskutierten Berufsstandes

"Der Beruf der Landwirte muss mehr Wertschätzung erfahren." So oder so ähnlich lauteten die Sätze, die am diesjährigen Landfrauentag im Mammendorfer Bürgerhaus immer wieder vom Rednerpult aus zu hören waren. Den Beginn der Veranstaltung, die heuer unter dem Motto "Regional leben" stand, eröffnete Landrat Thomas Karmasin, der in seiner Begrüßungsrede hauptsächlich über den Begriff der Heimat sprach.

Erst kürzlich habe er in München ein einfarbiges Baumwollshirt mit dem Aufdruck "Hoamat is koa Ort, Hoamat, des is a Gfui" gesehen, woraufhin er sich die Frage gestellt habe: "Was macht eigentlich Heimat aus?" So sei Heimat für jemanden, der in einer internationalen Beraterfirma arbeite meist etwas ganz Anderes als für den Handwerker in Moorenweis, "aber eines ist ganz sicher", betont der Landrat, "die Landfrauen wissen seit Generationen über ihren Hof, wo sie hingehören und wo sie daheim sind". Dabei sei Heimat "nicht nur ein örtlicher Begriff", sondern vor allem ein Ort in der Gesellschaft, an dem man Wertschätzung erfahre. Und genau an dieser fehle es den Landwirten heute. Gerade dabei könnten die Bäuerinnen Abhilfe schaffen, in dem sie sich für mehr Wertschätzung einsetzen, denn: "Sie als Frauen bringen sich in einer Diskussion ganz anders ein als wir Männer." Auch der Mammendorfer Bürgermeister Josef Heckl, der im Anschluss an Karmasin ans Rednerpult tritt, wird nicht müde zu betonen, wie wichtig der Beitrag der Landwirtschaft für die Region sei. Schließlich sind es laut Heckl die Bauern, die dafür sorgen, "dass wir uns durch die Zurverfügungstellung von Naherholungsflächen in unserer Region wohlfühlen". Anders als Karmasin spricht Heckl allerdings nicht nur von der fehlenden Wertschätzung, sondern vor allem auch über "die immer strengeren Vorschriften, die dafür sorgen, dass regionale Landwirtschaft am Markt nicht mehr bestehen kann". Das zu ändern sei allerdings nicht nur Aufgabe der Politik, sondern der gesamten Gesellschaft.

Ein fast schon eindringlicher Appell an Politik und Gesellschaft, sich mehr für die Arbeit und das öffentliche Image der Bauern zu interessieren, kommt am Landfrauentag allerdings von Josef Wörle. Der stellvertretende Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes kritisiert in seiner Rede in erster Linie das Einkaufsverhalten der Konsumenten, die nur gerne behaupten würden, regional einzukaufen, sich in der Realität allerdings trotzdem für die billigen ausländischen Produkte entscheiden. Das ärgert Wörle besonders, denn "wenn wir in höchstem Maße Bio anbauen, aber der Absatz nicht vorhanden ist, gewinnen wir nichts, sondern verlieren unsere Bauern". Es sei "kein Problem" zu 100 Prozent auf Bio umzustellen, "aber dann bleiben die Grenzen geschlossen!", ruft Wörle und wird dafür als einziger Redner an diesem Tag vom Publikum beklatscht. Nicht alle Gäste sind allerdings von der Brandrede des stellvertretenden Kreisobmanns begeistert. So kommentiert ein älterer Besucher, dass "es doch nichts bringt über die Konsumenten zu schimpfen, die wir als Landwirte ja eigentlich auf unserer Seite bräuchten".

Weitaus ruhiger und positiver verläuft die Rede der Kreisbäuerin Karin Sepp, die als einzige Frau den Landfrauentag eröffnet. Gleich zu Beginn versucht sie die Kritikpunkte des stellvertretenden Kreisobmannes Wörle zu relativieren und betont, "dass es überall im Leben zwei Seiten gibt", so auch in der Landwirtschaft. In ihrer Rede hebt die Kreisbäuerin die positiven Aspekte ihres Berufsbildes hervor, so frage sie sich manchmal, ob "wir Landwirte uns überhaupt im Klaren darüber sind, welchen Schatz wir mit unseren Höfen besitzen?" Immer wieder erlebe sie es, dass Bauern ihre Kinder dazu ermutigen würden zuerst "was G'scheides zu lernen", bevor sie den Familienbetrieb übernehmen.

Sepp findet das falsch und bittet die Landwirte darum, ihre Kinder nicht erst nach einer anderen Ausbildung in die Landwirtschaftsschule zu schicken, denn: "Was gibt's G'scheideres als die Landwirtschaft?" Bevor sich der erste Teil des Landfrauentages zum Ende neigt und das Mittagessen serviert wird, spricht noch Luitpold Prinz von Bayern. In seiner Rede betont er die große Verantwortlichkeit der Landwirte, die Stadtbewohner in der Form gar nicht kennen würden, und fordert die Politiker dazu auf, "langfristig zu denken und eine sozial verträgliche Marktwirtschaft zu erhalten statt von Wahl zu Wahl zu hüpfen".

© SZ vom 14.02.2020
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