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Mammendorf:Abschiebung trotz Arbeitsstelle - die Geschichte eines Flüchtlings in Deutschland

Cheikamadou Sall aus Senegal vor der Flüchtlingsunterkunft in Mammendorf.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Senegalese Cheikamadou Sall kam vor einem Jahr nach Oberbayern. In einem Fast-Food-Lokal verdient er seinen Lebensunterhalt. Aber nicht mehr lang.

Eigentlich ist dieser Mann genau so, wie sich alle einen Asylbewerber wünschen: Er spricht schon ganz ordentlich Deutsch, ist eine sehr sympathische Erscheinung. Vor allem aber: er arbeitet und kommt selbst für seinen Lebensunterhalt auf. Und doch sind die Tage von Cheikamadou Sall in Deutschland wohl gezählt. Ende des Jahres läuft seine Arbeitserlaubnis aus.

Warum Sall nicht bleiben darf

Und bereits seit April steht fest, dass der 33-Jährige dann nicht mehr arbeiten darf und auch aus der Mammendorfer Unterkunft an der Münchner Straße ausziehen muss. Denn Cheikamadou Sall kommt aus Senegal, und dieses westafrikanische Land zählt offiziell zu den sicheren Herkunftsländern. Asylbewerber aus Senegal erhalten einer Weisung des Bayerischen Innenministerium zufolge deshalb auch keine Arbeitsgenehmigung mehr.

Und dies, obwohl Menschenrechtler das Konzept der "sicheren Herkunftsländer" strikt ablehnen, das der Bundestag jüngst noch ausgeweitet hat. Senegal wird ebenso wie Albanien, Kosovo, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien und Ghana als "sicher" eingestuft.

Ankunft in München

Was Flüchtlinge im Gepäck haben

Schutzsuchende aus diesen Ländern sollen bis zum Abschluss des Asylverfahrens in Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben - oder gar nicht über die Registrierungszentren hinauskommen, die an Deutschlands Außengrenzen eingerichtet werden sollen. Ziel ist es, die Betroffenen schneller zurückzuschicken.

Immerhin hat das Fürstenfeldbrucker Landratsamt seinen kleinen verbleibenden Ermessensspielraum ausgeschöpft und auf den vorzeitigen Widerruf von Arbeitserlaubnissen verzichtet. Einen weitergehenden Spielraum aber hat die Behörde nicht, wie auch jüngst der für die Asylbewerber zuständige Alexander Galitz durchaus mit Bedauern festgestellt hat.

Wie er floh und in Deutschland ankam

Für Cheikamadou Sall ist das eine ausweglos erscheinende Situation. Eine Rückkehr kann er sich kaum vorstellen. Wohin auch? Vor seiner Flucht lebte er nicht bei seiner Mutter in Senegal, sondern seit acht Jahren beim Vater in der Zentralafrikanischen Republik. Ein Bruder und eine Schwester leben im westafrikanischen Gambia.

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Im Land seines Vaters habe es immer stärkere Konflikte zwischen Muslimen und Christen gegeben, erzählt der passionierte Pianist und Rapper. Vor einem Jahr entschied er sich deshalb für die lange und riskante Reise nach Deutschland.

Er kam nach Mammendorf und fand nach lediglich drei Monaten eine Arbeitsstelle - durch die Unterstützung des Mammendorfer Asylhelferkreises. In Moosach arbeitet er seit sieben Monaten für eine Fast-Food-Kette und macht dort all das, was viele andere nicht machen wollen: bedienen, putzen, in der Küche arbeiten. Weil im Schichtbetrieb - oft von 17 bis 23 oder von 10 bis 17 Uhr - gearbeitet wird, aber trotzdem nur der Mindestlohn dafür herausspringt, hat Sall viele deutsche und ausländische Kollegen kommen und gehen sehen. Er selbst aber ist geblieben und hat sich auch mit seinem Chef nach anfänglichen Schwierigkeiten gut arrangiert.