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Malching:Schwestern an der Orgel

Orgelschwestern

Arbeitsplatz Empore: die beiden Organistinnen und Schwestern Elisabeth (links) und Katharina Ostermayer an der Orgel in der Malchinger Pfarrkirche.

(Foto: Günther Reger)

Die Malchinger Schwestern Katharina und Elisabeth Ostermayer spielen beide an der Kirchenorgel. Das allein ist schon ungewöhnlich. Auch bei der Liedauswahl nutzen sie trotz liturgischer Vorgaben ihre Freiheiten

Von Valentina Finger, Malching

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Interessen von Katharina und Elisabeth Ostermayer nicht sehr von denen anderer junger Frauen: Sie machen gerne beliebte Mädchensportarten wie Yoga oder Zumba, mögen beide Tiere und Musik. Bei letzterer wird es dann schon spezieller. Statt Geige, Flöte oder nur Klavier haben sich die Schwestern ein Instrument herausgesucht, dass eher selten auf der Hobbyliste von jungen Leuten auftaucht: Katharina und Elisabeth sind Anfang 20 und spielen Orgel. Genau, das Instrument mit den vielen Pfeifen auf der Empore der Kirche, das, wie von Zauberhand bedient, zwischen den einzelnen Abschnitten des Gottesdiensts erklingt.

"Die meisten stellen sich da oben einen alten Mann vor, der ein bisschen rumträllert. Aber dass es auch junge Organistinnen gibt, ist schon eher der Überraschungseffekt", sagt die 22-jährige Elisabeth. Als Siebenjährige hat sie mit Akkordeonunterricht angefangen und sich mit 14 Jahren selbst das Gitarrespielen beigebracht. Für Orgelmusik hat sie sich eigentlich nie interessiert. Dass sie ihre Meinung geändert hat, ist das Verdienst ihrer Schwester. Wie viele Mädchen hat Katharina erst Blockflöte, später auch Klavier gelernt. Geblieben ist es dabei allerdings nicht. "Ich wollte immer wissen, was da oben auf der Empore los ist. Also habe ich es in der Kirche einfach auch einmal ausprobiert", sagt die 24-Jährige.

Mit etwa zehn Jahren hat sie ihren Orgelunterricht in der Kirche Sankt Bernhard in Fürstenfeldbruck aufgenommen. Gute zwei Jahre später spielte sie bereits im Beisein ihres Lehrers ein paar Lieder beim Gottesdienst, bald darauf auch alleine. Inzwischen hat Katharina die C-Prüfung abgelegt, die zweite von vier Stufen in der Ausbildung zum Kirchenmusiker. Noch eine Stufe weiter gehen möchte sie jedoch nicht. Um zu der B-Prüfung antreten zu dürfen, muss man vier Jahre lang studiert haben. Doch für Katharina, die hauptberuflich als Kinderpflegerin in Maisach arbeitet, ist die Orgel eher ein Hobby. Zum 18. Geburtstag hat Katharina ihrer Schwester eine Orgelstunde geschenkt. Nur ein halbes Jahr später spielte auch Elisabeth bei Gottesdiensten. "Am Anfang bin ich vor Aufregung fast von der Orgelbank gefallen, meine Hände haben gezittert und ich habe gar keine Noten mehr gesehen", erinnert sich Elisabeth. Dabei hatte sie nach so vielen Jahren Übung auf dem Akkordeon nur noch den Bassschlüssel nachzulernen. Der Rest war ihr bereits vertraut. Nicht umsonst bezeichnet Elisabeth sich und ihre Schwester als "Tastenmenschen".

Heute ist Katharina neben ihrem Beruf fest als Organistin in der Kirche in Malching, unweit des Hofs ihrer Eltern angestellt, wo die Schwestern wohnen. Alle zwei Wochen spielt sie donnerstags und sonntags, an Ostern und Weihnachten durchgehend. "Wenn ich von Gründonnerstag bis Ostermontag gespielt habe, brauche ich meistens erst mal Urlaub", sagt sie. Elisabeth, die in Teilzeit in der Bank arbeitet und nebenbei gerade die Landwirtschaftsschule besucht, um den Betrieb ihrer Eltern übernehmen zu können, springt immer ein, wenn irgendwo im Landkreis jemand gebraucht wird.

Dass es in Malching diese beiden jungen Organistinnen gibt, hat sich in den Pfarrgemeinden im Landkreis bereits herumgesprochen. Trotz bestimmter liturgischer Vorgaben nutzen Katharina und Elisabeth Ostermayer ihre Freiheiten bei der Liedauswahl, um frischen Wind in den musikalischen Teil eines Gottesdiensts zu bringen. Neben "alten Schlagern", wie Elisabeth die üblichen Kirchenlieder bezeichnet, spielen die beiden am liebsten Musik zeitgemäßer Komponisten wie Kathi Stimmer-Salzeder oder Albert Frey. Ein bisschen flotter und schwungvoller dürfe es bei ihnen schon sein, sagt Elisabeth. Also packen die Schwestern auf Hochzeiten gerne auch mal Gitarre und Keyboard aus, spielen auf der Orgel ein Register leiser und singen dazu. Auch an Fasching lassen sie sich immer etwas Ungewöhnliches einfallen: Mal gibt es den Zillertaler Hochzeitsmarsch, mal ein lustiges Lied von Anton Diabelli zu hören und einmal haben sie sogar vierhändig auf der Orgel gespielt.

Trotzdem hält der konservative Ruf des Kircheninstruments gerade junge Leute oft davon ab, das Orgelspiel zu lernen. "Es gibt zu wenige Nachwuchsorganisten, dabei wird immer irgendwo jemand gesucht", sagt Elisabeth. Zeigt jemand Interesse daran, die D-Prüfung abzulegen, um die erste Stufe in der Ausbildung zu erreichen, unterstützt die Kirche den Unterricht sogar finanziell. Da man als Organistin in der Kirche musiziert, spielt der katholische Glaube bei diesem Hobby natürlich eine große Rolle. Elisabeth und Katharina Ostermayer sind katholisch erzogen worden, haben beide ministriert und sind sehr oft in der Kirche gewesen.

Zum Üben zieht es sie jedoch nicht in die zumeist kalten Kirchenräume. Im ersten Stock ihres Hauses haben sich die Schwestern ein Musikzimmer eingerichtet: Ein Keyboard, drei Akkordeons, zwei Gitarren und eine E-Gitarre gibt es dort - und eine elektronische Orgel, die zwar keine Pfeifen hat, aber technisch ganz genauso zu spielen ist wie die klassische Kirchenorgel. Vor dem Notenschrank steht zudem ein Crosstrainer, wenn es zum Sport mal nicht zum Yoga oder Zumba geht. "Dann spielt aber nicht die Orgel, sondern der MP3-Player", sagt Katharina und lacht. Wie gesagt: So anders als andere junge Frauen sind die beiden nun mal doch nicht.

© SZ vom 02.05.2015

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