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Fürstenfeldbruck:Akrobaten und Tiere zurück in der Manege

Für die Show der Artistenfamilie Köllner sind Tiere ein wichtiger Bestandteil, entsprechend gut würden sie versorgt, sagt die Inhaberin.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Jaqueline Köllner und ihr Zirkus stehen nach den vergangenen Monaten vor existenziellen Sorgen. Nur durch Futter- und Essensspenden haben sie die Auszeit überstehen können. Nun laden sie zum Saisonauftakt in Maisach ein

Von Christina Strobl

Maisach - Artisten die mit Bällen jonglieren und auf Drahtseilen tanzen, Pferde und Ponys die ihre einstudierte Choreografie in der Manege zum Besten geben: Nach dreimonatiger Zwangspause dürfen nun auch Zirkusse wieder ihre Zelte für Besucher öffnen. Darunter auch der Zirkus "Mulan", der von diesem Donnerstag bis Sonntag, 19. Juli, in Maisach gastieren wird.

"Unser Hauptakt sind definitiv die Tiere", sagt die Inhaberin Jaqueline Köllner. "Wir sind sozusagen der Tier-Zirkus." Insgesamt besteht der Zirkus aus 30 Vierbeinern: Pferde, Ponys und Lamas. Doch wer Tiere hat, muss auch für deren Wohl sorgen: Dazu gehört auch die artgerechte Haltung, die auf Köllners Prioritätenliste ganz oben steht: "Tiere sind keine Roboter. Natürlich brauchen und bekommen sie auch Pausen und dürfen zwischendurch immer wieder spielen". Neben dem Spaß gehört außerdem noch ein Gesundheitscheck vor jedem Training zum Tagesplan: "Wir wollen nicht, dass unsere Tiere jedes Mal wenn sie die Manege betreten denken sie müssen jetzt wieder arbeiten", ergänzt die Inhaberin. Um dies den Tieren klar zu machen, versuche das Zirkusteam das Training nicht nur spielerisch, sondern auch abwechslungsreich zu gestaltet.

Der Familie sei durchaus bewusst, dass sie ihren Lebensunterhalt vor allem durch ihre Vierbeiner verdient. "Entsprechend gut behandeln wir sie auch", sagt Köllner. "Sie sind wie Kinder für uns."

Neben ihrem kleinen Zoo seien die dazugehörigen acht Artisten die Attraktion des Zirkus. "Ganz neu im Programm ist unser Schlangenmädchen Samira", erzählt die 39-Jährige Köllner. Das Besondere an ihr sei ihr Alter: "Sie ist erst sieben Jahre alt." Doch nicht nur aufgrund des Talents ist die Inhaberin stolz auf ihre Nichte: alles was die junge Artistin könne, habe sie sich innerhalb der letzten drei Monate angeeignet. "Es ist echt erstaunlich wie sie sich verbiegen kann." Köllner selbst übernimmt den Part der Jongleurin, wenn sie vor ihrem Publikum steht.

Die Coronapause habe allerdings nicht nur Schlangenmädchen Samira gut genutzt. Von Reparaturen bis zum neuen Anstrich: das Zirkusteam hat versucht, die frei gewordene Zeit so gut es geht zu überbrücken. Dazu komme, dass sie wöchentlich ihren Stellplatz habe wechseln müssen: "Wir sind sozusagen drei ganze Monate fest gestanden", erzählt Köllner.

Kennengelernt haben sich Jaqueline Köllner und ihr Mann Francesco noch in Nordrhein-Westfalen, wo sie beide in Zirkusfamilien aufgewachsen sind. Vor elf Jahren eröffneten sie dann ihren gemeinsamen Zirkus. Schnell hätten sie jedoch festgestellt, dass die Interesse der Menschen in Nordrhein-Westfalen nicht alltz groß war. "Dann sind wir nach Bayern, um unser Glück dort zu versuchen." Die Herzlichkeit der Menschen und die Natur hätten sie dann zum Bleiben schnell dazu gebracht, zu bleiben: "Wir haben uns in Bayern verliebt", so Köllner.

Doch trotz viel gesammelter Zirkuserfahrung, sei es für die Gruppe noch nie so schwer gewesen, ihr Unternehmen am Leben zu erhalten. "Wir kämpfen um unsere Existenz." Die bisherige Saison konnten sie nur durch zahlreiche Spenden von hilfsbereiten Bürgern überstehen: Diese halfen dem Zirkus mit Heu und Kraftfutter für die Tiere aus, spendeten Lebensmittel für die Gruppe selbst und steckten ihnen sogar ab und an ein wenig Geld zu. Doch der Kampf um das weitere Bestehen des Zirkus "Mulan" gehe weiter, denn vorbei sei die Pandemie schließlich noch nicht: "Immerhin können wir jetzt auch wieder selbst etwas machen", sagt die 39-Jährige.

Wirtschaftliche Probleme, wegen zu wenigen Zuschauern hätten sie zuvor nicht erlebt. Als "schlagartig" bezeichnet die Inhaberin den finanziellen Einbruch durch Corona. "Wir waren erst in Markt Schwaben", erzählt sie. "Als die Lage ernster wurde, haben wir locker 100 Orte angefragt, ob wir bei ihnen eine Vorstellung geben können." Doch die einzige Antwort kam aus Maisach. Sie wüssten, dass es die Zirkusleute gerade sehr hart treffe, weswegen man ihnen gerne einen Stellplatz zur Verfügung gestellt hat. Mit sämtlichen Gepäck machte sich die Gruppe also auf den Weg in den Landkreis, wo sie nun ihren Saison-Auftakt gibt. Der Alltag habe sich nicht nur für die Akrobaten geändert. Auch die Tiere hätten dies mitbekommen. "Man hat einfach gemerkt, dass ihnen etwas fehlt", sagt die Jongleurin. "Entsprechend mehr Aufmerksamkeit haben sie gebraucht." Aber wenigstens die habe sie ihnen geben können.

Zirkus Mulan, Volksfestplatz Maisach. Donnerstag, bis Samstag jeweils von 16 Uhr an und Sonntag, am Familientag, bereits von 14 Uhr. Kartenverkauf täglich von 10 bis 12 Uhr vor Ort oder telefonisch unter 0163/45 07 086.

© SZ vom 16.07.2020

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