Maisach:Vom Schießstand zum Sautrogrennen

Der Schützenverein Almrausch Germerswang zählt mit rund 200 Mitgliedern zu den größten im Landkreis. Zu seinem 100-jährigen Bestehen bekommt er als Auszeichnung die Sportplakette. Damit wird auch das gesellschaftliche Engagement, etwa beim Faschingsball, gewürdigt

Von Ariane Lindenbach, Maisach

Das Sautrogrennen auf der Maisach ist wohl das gesellschaftliche Ereignis im Landkreis, das das kleine Örtchen Germerswang weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Etliche Besucher (und auch Teilnehmer) aus den anderen Maisacher Ortsteilen und darüber hinaus haben sich deshalb schon auf den Weg zu dem Vereinsheim an der Luitpoldstraße in Germerswang gemacht. Dabei ist das sommerliche Event nur eine von mehreren Veranstaltung, die der Schützenverein Almrausch Germerswang organisiert. An diesem Freitag erhält der Verein die Sportplakette des Bundespräsidenten.

Joachim Herrmann, Bayerns Innen- und Sportminister, händigt das Abzeichen bei einer Zeremonie im Neuen Schloss Schleißheim an die Germerswanger und 17 weitere südbayerische Sport-, Turn- und Schützenvereine aus. Das klingt nach einer bedeutenden Auszeichnung, ist aber im Grunde nur die staatliche Würdigung jener Vereine, "die sich durch ihr langjähriges Wirken besondere Verdienste um die Tradition, Pflege und Entwicklung des Sports erworben haben", wie es in der Einladung formuliert ist. Tatsächlich kann jeder derartige Verein die Plakette zu seinem 100. Bestehen beantragen.

Schützenverein Almrausch Germerswang; FFB Langes Bild auf weiß_gute Quali

Foto mit Hindernissen: Für dieses Gruppenbild während der Pandemie galten die seit mehr als einem Jahr gängigen Hygiene-Regeln, der Mund-Nase-Schutz wurde nur für einen kurzen Moment der Aufnahme entfernt. Und fürs Geschichtsbuch wurde natürlich auch ein Bild gemacht, auf dem jeder Maske trägt.

(Foto: Privat/oh)

"Ganz unspektakulär", bestätigt Günter Strauß, der die Almrausch-Schützen seit 18 Jahren leitet, habe er den Antrag gestellt. Dazu bedurfte es einer Bestätigung aus dem Rathaus über das Alter des Vereins. Nach einigen Wochen schon kam die Einladung zur Verleihung der Sportplakette. Das war allerdings im Vorjahr; der Germerswanger Verein wurde 1920 kurz nach dem Ersten Weltkrieg am Leonharditag von 20 Männern gegründet. Doch den Feierlichkeiten zum hundertsten Geburtstag machte die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Nicht nur, dass die Verleihung der Sportplakette drei Mal verschoben werden musste und jetzt nur im kleinen Rahmen stattfinden kann.

Weitaus härter trifft die Germerswanger, dass sie ihre eigene geplante Veranstaltung nicht realisieren konnten. "Es wäre eigentlich ein Superfest gewesen", bedauert der Vorsitzende. Für den Kabarettabend mit "Da Huawa, da Meier und I" waren bereits 500 Karten verkauft, für die Feier am nächsten Tag hatten sich mehr als 50 befreundete Vereine angekündigt, das wären bestimmt rund 1000 Gäste gewesen - im kleinen, 806 Einwohner zählenden Germerswang. Nachdem man 2020 die Veranstaltung absagen, Gäste wieder ausladen musste und auch dieses Jahr nicht abzusehen ist, wann ein solches Fest wieder gefeiert werden darf, hat man im Vorstand beschlossen, ganz auf eine große Feier zu verzichten. Lediglich ein Gottesdienst im Freien ist nun geplant, am 5. September. "Hoffentlich macht das Wetter mit, sonst müssen wir uns spontan etwas einfallen lassen", sagt Günter Strauß. Die Messe ist dem Vorsitzenden zufolge unverzichtbar, da dort das neue Fahnenband für die vereinseigene, 94 Jahre alte Fahne geweiht wird. Die heute noch getragene Schützenkette wurde 1925 gekauft.

Schützenverein Almrausch Germerswang, Vors. Günter Strauß

Schützenmeister mit Tradition: Günter Strauß ist Vorsitzender seit 2003; zuvor waren es Vater und Großvater.

(Foto: oh)

Freilich gibt es zum Jubiläum auch eine neue Schützenscheibe, gefertigt vom Kirchenmaler Alfons Wagner aus Prack bei Wenigmünchen. Und eine neue Schützentracht, die sich aber stark an der alten orientiert und nur bei genauem Hinsehen von dieser zu unterscheiden ist.

Laut Gauschützenmeister Wolfgang Dietrich - der übrigens auch den Hinweis zum Antrag der Sportplakette gab - sind die Germerswanger Almrausch-Schützen mit ihren rund 200 Mitgliedern mit die größten im Schützengau Fürstenfeldbruck, einem Gebiet, das dem Landkreis entspricht. Seit 1966 nehmen sie auch Frauen auf. Das erste Vereinsheim ist im Gasthaus Groß, das heute Mösl heißt. Damals war es völlig normal, die Schießstände in der Gaststube jedes Mal auf- und wieder abzubauen.

Überhaupt pflegen die Almrausch-Schützen Tradition und Geselligkeit. Ob bei der Weihnachtsfeier, die traditionell mit einem Einakter der Vereinsjugend und der Christbaumversteigerung zu einem Höhepunkt in Germerswang zählt, oder mit den Sternsingern, die seit mehr als 40 Jahren vom Verein organisiert werden, auch für Stefansberg und Frauenberg. Zum inzwischen etwa 20 Jahre alten Sautrogrennen kommen laut Strauß Zuschauer "teilweise über die Gemeindegrenzen hinaus". Auch der Faschingsball, der nach jahrzehntelanger Pause 2010 im Vereinsheim wiederbelebt wurde, ist eine feste Größe am Ort. Dem Vorsitzenden zufolge waren die Karten bisweilen schon beim Vorverkauf vergriffen. Die Tradition lebt übrigens auch im Vorsitzenden weiter: Strauß' Vater Josef und sein Großvater Ludwig standen den Almrausch-Schützenverein ebenfalls vor, insgesamt 34 Jahre.

© SZ vom 16.07.2021
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