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Maisach:Regional und gerne öko

Ein Bad im Kornfeld: Martin Staffler (Mitte) erklärt Michaela Kaniber, wie viel Arbeit im Anbau von Biodinkel steckt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Familie Dinkel verarbeitet Hartweizen zu Nudeln, Martin Staffler erfüllt die strengen Auflagen von Naturland: Die Erntepressefahrt mit Ministerin Kaniber führt zu zwei Maisacher Bauernhöfen mit erfolgversprechenden Strategien

Von Stefan Salger, Maisach

Die Landwirtschaft in Bayern wie auch im Landkreis steht vor großen Herausforderungen: vor allem durch Klimawandel und Trockenheit. Aber auch durch den Druck der globalen Konkurrenz und Discounter mit Regalen voller Billigprodukte. Bei der gemeinsamen Erntepressefahrt gaben sich Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Walter Heidl, Präsident des bayerischen Bauernverbandes, dennoch vorsichtig optimistisch. In der Gemeinde Maisach besuchten sie denn auch Bauern, die sich mitnichten wehklagend in ihr Schicksal fügen wollen, sondern längt die Weichen gestellt haben. Es sind zwei Familienbetriebe, die zeigen, wie es gehen könnte - sofern der Verbraucher mitspielt: ein Ökobetrieb, der nach den strengen Naturland-Richtlinien produziert, und ein konventioneller Betrieb, der seine Rohstoffe selbst weiterverarbeitet und im Hofladen anbietet.

Natürlich bleibt der Klimawandel das bestimmende Thema. Aber die Landwirte im Landkreis haben im Gegensatz zu ihren weiter nördlich lebenden Kollegen Glück. Zwar litten auch sie in den beiden vergangenen Jahren unter der Trockenheit. Aber die Böden sind gut und letztlich gab es doch noch ausreichend Niederschläge, vor allem im Juni. Auch Corona hat bislang keine allzu tiefen Spuren hinterlassen. Man habe mit Genugtuung registriert, so Bauernpräsident Heidl und BBV-Getreidepräsident Hermann Greif, "dass die Landwirtschaft als systemrelevant eingestuft wurde". Heidl: "Das hat uns gut getan. Und außer Trockenhefe und Klopapier ist kaum etwas knapp geworden in den Läden."

Die Familie Dinkel verarbeitet ihren Hartweizengrieß selbst.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gleichwohl warnt Heidl die Politik, restriktive Gesetze beispielsweise beim Tierschutz nicht "über Nacht" und "auf dem Rücken der Bauern" in Kraft zu setzen. Um die Höfe herum gebe es einige "politische Baustellen". Etwas später legt Kreisbäuerin Karin Sepp den Finger in eine solche Wunde. Warum die Brucker Landwirtschaftsschule geschlossen werde und lediglich an zwei Schulen in Bayern ökologischer Landbau unterrichtet werde, fragt sie die Ministerin. Kaniber beruft sich auf die ausdrückliche Zustimmung junge Landwirte. Credo: Lieber einige mäßig ausgelastete Standorte schließen und dafür Planungssicherheit für Landwirtschaftsschüler gewinnen sowie das flächendeckende Netz der bayernweit 27 Standorte sichern. Vor allem viele Nebenerwerbslandwirte würden sich bewusst aufs Bildungsprogramm Landwirt (Bila) beschränken, andere streben eher an die Unis. Die sinkende Nachfrage wirkt sich letztlich aufs Angebot der Landwirtschaftsschulen aus. "Die Hauswirtschaftsschulen bleiben aber", versichert Kaniber.

Ein bisschen unter Druck gerät die Ministerin auch auf dem Feld des Biolandwirts Martin Staffler, 28. Der arbeitet vier Tage die Woche als Elektromeister und bewirtschaftet die 40 Hektar mit Weizen, Dinkel, Zuckerrüben, Speisesoja und Kleegras im Nebenerwerb. Unterstützt wird er von Bruder und Eltern. Dankbar ist Staffler, dass er jüngst seine osteuropäischen Erntehelfer doch noch vom Nürnberger Flughafen abholen durfte. Aber er wundert sich, dass die Zuschüsse für eine fünfgliedrige Fruchtfolge gestrichen worden sind. Kaniber erklärt das mit einer Doppelförderung, die nicht mit EU-Richtlinien zu vereinbaren sind. Deshalb sei das Programm ausgelaufen. Sie verweist darauf, dass die 10 800 ökologisch produzierenden Landwirte nur zehn Prozent aller Landwirte in Bayern ausmachen und dennoch 40 Prozent der Kulturlandförderung bekommen.

BBV-Kreisobmann Georg Huber und Kreisbäuerin Karin Sepp hören aus der Ferne zu.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Vater Jakob Staffler, 64, hat seinen Söhnen empfohlen, sich sicherheitshalber ein zweites Standbein aufzubauen. Der zweite Sohn Sebastian, 29, hat zwar Landwirtschaft studiert, setzt sein Fachwissen nun aber in Diensten einer Versicherung ein. Auf die flächengebundene EU-Förderung könne man wegen ihm verzichten, sagt er. Der Verbraucher würde dann Steuern sparen. Im Gegenzug aber müsste er bereit sein, mehr für gute Nahrungsmittel hinzulegen. Als Beleg für Qualität und Regionalität wurde das Bayerische Biosiegel eingeführt. Die Stafflers begrüßen das. Jakob Staffler hofft, dass der 1850 von seinen Vorfahren erworbene Hof von kommenden Generationen weitergeführt wird. Könnte schon klappen, glaubt Sebastian. Jedenfalls sofern die weiter am Ball bleiben, sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen und mit den Anforderungen des Marktes Schritt halten. Als Erfolgsstrategien nennt er Direktvermarktung und Veredelung.

Was unter einer solchen Veredelung zu verstehen ist, wird der Entourage auf dem Hof der Dinkels vor Augen geführt. Der Weg führte bereits an Feldern mit wogenden Hartweizenähren vorbei. Auf 45 Hektar werden auch Dinkel, Zuckerrüben und Sojabohnen angepflanzt. Aber stolz sind Thomas und Sohn Michael Staffler vor allem darauf, dass sie den Hartweizen selbst zu Nudeln verarbeiten und im Hofladen verkaufen. Regionaler geht's nicht. Eine Packung ist mit 2,40 Euro teurer als beim Discounter. Die Kunden aber seien bereit, für Qualität und Geschmack mehr zu bezahlen. Dafür bauten sie vor einem Jahr eine Spezialmühle in den ehemaligen Hühnerstall ein und eine Produktionsanlage in den Keller. Drei Tonnen Hartweizen pro Tag werden gemahlen. In Bayern gibt es lediglich eine weitere - viel größere - Hartweizenmühle. So etwas erfordert viel Mut, Zeit und Geld. Das brauchen Landwirte genauso dringend wie Regen.

© SZ vom 16.07.2020

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