Maisach:Maisach leitet seine Verkehrswende ein

Maisach: Vorrecht sollen die Fahrradfahrer in der Graf-Toerring-Straße in Gernlinden haben.

Vorrecht sollen die Fahrradfahrer in der Graf-Toerring-Straße in Gernlinden haben.

(Foto: Günther Reger)

Bürgermeister Hans Seidl beabsichtigt, die Graf-Toerring-Straße im Ortsteil Gernlinden zu einer Fahrradstraße zu machen

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Karneval fällt heuer in der Form aus, in der man ihn kennt, die Narren werden ihre Faschingszüge 2021 um ein Jahr verschieben müssen. Dafür aber dürften der Gernlindener Faschingszug 2022 jetzt schon eine Idee für einen Mottowagen bekommen haben: Die Graf-Toerring-Straße, durch die ihr Faschingszug führt, soll eine Fahrradstraße werden. Diesen Antrag hat Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) im Gemeinderat vorgelegt und damit eine kontroverse Diskussion ausgerechnet mit den Grünen ausgelöst.

Seidl sieht Handlungsbedarf in Gernlinden. Es fehlt auf der gut frequentierten Graf-Toerring-Straße ein Gehweg, dort sind Fußgänger und Radler unterwegs und sie müssen zwischen parkenden Autos und Anhängern mit dem Autoverkehr klar kommen. Wo, wenn nicht dort, wäre eine Fahrradstraße sinnvoller, fragte Seidl rhetorisch.

Seidls Antrag könnte eine Steilvorlage für die Gernlindener Faschingsfreunde sein, doch er ist ernst gemeint vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde von dem Verkehrskonzept, das den Gernlindenern vor mehr als anderthalb Jahren versprochen worden ist und von dem sich die Bewohner dort eine echte Verkehrsberuhigung erwarten, noch Jahre entfernt ist. Denn dieses Konzept könne nicht für sich allein betrachtet werden, sagte Seidl auf die Anfrage einer Bürgerin in der aktuellen Viertelstunde des Gemeinderats am Donnerstagabend. Es sei vielmehr ein städtebauliches Konzept nötig.

Und das könne dauern, die Bürger würden in die Planung auch stets einbezogen, aber zwei bis drei Jahre veranschlagt der Bürgermeister schon dafür. Zuvor muss das Projekt auch noch ausgeschrieben werden. Das alles dauert Seidl zu lange: "Wir wollen nicht warten, sondern wir wollen die Bürger auf die Veränderungen vorbereiten." Eine Fahrradstraße sei eine gute Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln.

Fahrradstraßen sind im Landkreis vor allem in Gröbenzell beliebt, auch in Eichenau hätten sie gerne eine, und sie sind in die verkehrspolitischen Maßnahmen des Bundesverkehrsministeriums zur Verkehrswende. Vor Jahresfrist hat Minister Andreas Scheuer (CSU) 1,4 Milliarden Euro für den Ausbau des Fahrradverkehrs angekündigt, auch Fahrradstraßen sollen gefördert werden.

Die sonst so fahrradaffinen Grünen aber standen dem Vorschlag Seidls sehr kritisch gegenüber. Fraktionssprechern Barbara Helmers unterstellte den Verkehrsteilnehmern, insbesondere den Autofahrern: "Wir sind noch nicht so weit." Es brauche mehr als nur die Umwidmung zur Fahrradstraße, es müsse sich in der Graf-Toerring-Straße etwas ändern, womöglich auch baulich. Auch eine Einbahnregelung hielt Helmers für möglich.

Ganz so euphorisch wie ihr Bürgermeister gab sich auch die CSU-Fraktion nicht. Tobias Ottilinger widersprach Helmers Ausführungen mit den Worten: "Da kann man nicht durchbrettern." Und er verlangte, dass die Verkehrsteilnehmer aufzuklären seien über das, was man dort dürfe oder auch nicht. Und der Gernlindener Christian Kemeter sagte vieldeutig: "Wir werden eine interessante Erfahrung machen." Gabi Rappenglitz erinnerte daran, dass die Gemeinde schon einmal den Umbau der Straße vorgehabt hätte, seinerzeit aber sogar die zugesagten Grundstücke zugunsten eines Gehwegs den Eigentümern wieder zurückgegeben habe.

Wie rasch die Umwidmung erfolgen kann, soll nun geprüft werden. Sollte die Graf-Toerring-Straße zur Fahrradstraße werden dann würde dort Tempo 30 gelten. "Autos werden nur Gäste sein", stellte Barbara Helmers fest. Denn Fahrradstraßen sind laut Straßenverkehrsordnung generell für Autos, Lastwagen und Motorräder gesperrt - außer sie sind durch ein Zusatzschild zugelassen.

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